Protokoll der Sitzung vom 04. 05. 2021

Entomologisches

Zoom-Vortrag von Stefan Hertwig, Bolligen: «Borneo, ein Eldorado für den Biodiversitätsforscher». Vortrag über das Biodiversitätsparadies Borneo

Der Referent ist Experte für Reptilien und am Naturhistorischen Museum Bern tätig. Das Borneo-Projekt fokussiert auf Frösche (www.frogsofborneo.org). Einleitend stellt Herr Hertwig die Geographie, Geologie und Biogeographie der Region Sundaland vor.

Die Erforschung der Frösche startete der Amerikaner F. Inger in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Damals waren etwa 160 Arten dieser Amphibien von Borneo bekannt. Die Vorbereitung jeder Expedition beginnt mit dem Einholen der zahlreichen notwendigen Genehmigungen zum Sammeln und zum Export des Materials. Das Thema der sog. Biopiraterie ist virulent. Das führt zu immer strengeren Gesetzen, welche die Forschung zunehmend erschweren.

Der Referent war schon an zahlreichen Stellen im malaysischen Teil Borneos unterwegs um die letzten noch vorhandenen Regenwälder zu untersuchen. Gemeinsam mit Studenten fing er nachts Frösche, welche sie am nächsten Tag präparierten und für den Transport vorbereiteten. Risiken der Feldarbeit sind die grossen, sehr aggressiven und mit schmerzhaftem Gift ausgestattete nachtaktiven Wespen sowie die berüchtigten Landblutegel. Auch gefährliche Baumschlangen und Königskobras sind gar nicht selten.

Eindrückliche Bilder zeigen entomologische und andere Beifänge der nächtlichen Exkursionen. Auch die Vielfalt von Schmetterlingen ist sehr ausgeprägt Darunter ist auch der bekannte Vogelflügler Trogonoptera brookiana. Landkrabben sind ebenfalls zahlreich vertreten sowie ausgesprochen exotische Käferarten. Elefanten kommen nur noch in kleinen Gebieten vor.

Um 1950 bedeckten Regenwälder noch die gesamte Insel. Heute sind davon nur noch Reste vorhanden. Diese bestehen auf der malaysischen Seite zudem –  abgesehen von zwei kleinen Nationalparks –  völlig aus Sekundärwäldern. Eine enorm grosse Fläche ist vollständig mit Ölpalmen-Monokulturen bedeckt.

Infolge der zahlreichen ökolgischen Nischen ist die Biodiversität der Frösche sehr gross, sie wird inzwischen auf 240 Arten geschätzt. Darunter sind Arten mit zahlreichen teils spektakulären Anpassungen, beispielsweise bei den Kaulquappen und der Entwicklung. Es gibt aber auch zahlreiche Arten mit Direktentwicklung (ohne Quappenstadium). Eine Art entwickelt sich z.B. in den Wasserreservoirs von Kannenpflanze.

Dem Vortrag über das Biodiversitätsparadies Borneo schliesst sich eine Diskussion über die ökologische Situation der Insel an.

Geschäftliches

Der Präsident erwähnt Überlegungen des Vorstands, eine Empfehlung zugunsten der Trinkwasserinitiative abzugeben. Herr Straumann stellt die ökologischen und landwirtschaftlichen Hintergründe des Themas vor. Er zieht das Fazit, dass die Ziele der Initiative grundsätzlich mit den Interessen des EVB übereinstimmen. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die angestrebte Verbesserungen für die Biodiversität. Es werden einige engagierte Voten für die Unterstützung der Initiative vorgebracht. Es gibt aber auch andere Meinungen. Demnach sollte diese Unterstützung in einen wissenschaftlichen Kontext eingebaut werden. Oder der EVB solle diese Initiative generell nicht unterstützen. Auf Grund des kontroversen Stimmungsbildes soll das Thema am 18. Mai erneut diskutiert werdsen. Vorgängig erhalten die Mitglieder nähere Informationen.

Anwesende

32 Mitglieder, 4 Gäste, Total 36 Personen

Schluss der Sitzung

22:20 Uhr, der Sekretär, Martin Albrecht

Protokoll der Sitzung vom 20.04.2021

Entomologisches

Protokoll der Sitzung vom 16.02.2021 – Zoom-Vortrag unseres Mitglieds Rudolf Bryner, Biel: „Monografie Adelidae – Bilder aus dem Tagebuch der Entstehungsgeschichte“. Vortrag über die Erforschung der Kleinschmetterlingsfamilie Adelidae

Herr Bryner berichtet in einem mit eindrücklichen Bildern unterlegten Vortrag von seiner langjährigen Beschäftigung mit Kleinschmetterlingen und die Ausarbeitung seines vor kurzem veröffentlichten umfangreichen Werkes über diese Familie.

Der Beginn seines vertieften Interesses an den „schwierigen“ Adeliden war im Jahr 2011. Insbesondere die Erforschung der kaum bekannten Lebensweise dieser Familie stellte sich als harte Nuss heraus. Ein Zufallsfund beim Pilzsuchen weckte seinen Jagdinstinkt und motivierte ihn zur intensiven Suche nach den in ihren mobilen Gehäusen gut getarnten Raupen dieser Familie. Die in der Coleopterologie erprobte Methode des Siebens der Bodenstreu im Wald erbrachte teils gute Resultate und auch diversen Beifang wie z.B. Sackträger-Raupen. Auch in den Blüten von Skabiosen und anderen Pflanzen wurde er fündig.

Verschiedene Reisen in den mediterranen Raum erbrachten weitere interessante Arten, welche er dann zu Hause erfolgreich züchtete. Eine weitere erfolgreiche Methode war die Eiablage der Weibchen, wofür ihnen jedoch die geeigneten Blüten zur Verfügung gestellt werden müssen. Eine weitere, polyphage Gruppe legt ihre Eier an andere Pflanzenteile wie z.B. Stengel.

Im Zuge der Untersuchungen gelang der Neunachweis einer Adelide für die Schweiz (C. albiantennella) sowie die Aufklärung ihrer hiesigen Ökologie. In Süditalien fand Herr Bryner zudem eine neue Adelidenart.

Mit dem Angebot, seine Forschungsergebnisse in den Contributions des Naturhistorischen Museums Bern zu veröffentlichen traten seine Arbeiten in die „heisse Phase“ ein und das Ziel, alle europäischen Arten zu bearbeiten nahm Gestalt an. Dazu besuchte er auch verschiedene Museen im In- und Ausland. Eine Feldexkursion zum Studium einer weiteren Arte führte in auf abenteuerliche Pfade der Ostslowakei, weitere in die Alpes Maritimes und auf den Peloponnes.

Herr Bryner konnte Präparate von 55 Arten zusammentragen und von 32 Arten die Entwicklung dokumentieren. Schlussendlich gelang auch noch ein Neunachweis einer aus der Schweiz beschriebenen, aber seither fast hunderundfünfzig Jahre lang nicht mehr gefundenen Art.

Nach umfangreichen Vorbereitungsarbeiten erschien das Buch schliesslich im April 2020. Vier Taxa bleiben vorläufig ungeklärt und in acht weiteren verbergen sich möglicherweise kryptische Arten.

Dem Vortrag folgt eine angeregte Diskussion über Adeliden und die beeindruckende Arbeit des Referenten.

Geschäftliches

Anwesende

24 Mitglieder, 8 Gäste, Total 32 Personen

Schluss der Sitzung

21:45 Uhr, der Sekretär, Martin Albrecht

Protokoll der Sitzung vom 16.02.2021

Entomologisches

Protokoll der Sitzung vom 16.02.2021 – Zoom-Vortrag unseres Mitglieds Christoph Germann, NHM Basel: „Unauffällige Stäbchen – die Styphlini (Rüsselkäfer)“ Vorstellung einer Rüsselkäfergruppe

Der Referent ist beruflich am Museum in Basel tätig. Dort betreut er insbesondere die bekannte Sammlung von Georg Frey. Die heute betrachtete Gruppe von Rüsselkäfern, die Styphlini ist vergleichsweise klein (ca. 60 Taxa). Sie ist auch in der Schweiz und im Mittelmeergebiet vertreten. Die Tiere sind meist kleiner als 4 mm und schwierig zu finden, da sie vor allem die Bodenstreu bewohnen. Entsprechend haben sie viele Coleopterologen bisher vernachlässigt.

Eine gute erste Bearbeitung, welche die Grundlage für weitere Forschungen bildet wurde 1967 von Gonzalez erstellt. Bei richtiger, aber aufwändiger Präparation der Genitalien können zahlreiche wichtige Bestimmungsmerkmale sichtbar gemacht werden. Trotzdem ist die aktuelle systematische Position und Monophylie noch unsicher. Nach der Systematik erfolgt eine kurze Beschreibung der wesentlichen morphologischen Merkmale. Die Gruppe ist vor allem in der Westpalärktis verbreitet. Es gibt jedoch auch Funde auf Madagaskar, welche möglicherweise zu dieser Gruppe gehören.

Die Ökologie wird am Beispiel einer vor allem in Asteraceen als Larve minierenden Art vorgestellt. Sie ist jedoch generell noch schlecht bekannt. Die erfolgversprechendste Sammelmethode ist das sog. Gesiebeverfahren.

Anschliessend werden drei Gattungen (Orthochates, Styphlidius und Styphlus) mit jeweils einigen Arten sowie ihren Lebensräumen und Fundumständen näher vorgestellt. Darunter sind auch vom Referenten als Co-Autor neu beschriebene Arten aus Portugal und Kreta.

Eine Diskussion schliesst sich an den Vortrag an. Der Referent ist dankbar für Exemplare von Rüsselkäfern, welche ihm Mitglieder zukommen lassen.

An den Vortrag schliesst sich eine Diskussion mit Fragerunde an.

Geschäftliches

Anwesende

34 Mitglieder, 1 Gast, Total 35 Personen

Schluss der Sitzung

21:30 Uhr, der Sekretär, Martin Albrecht

Protokoll der Sitzung vom 19.01.2021

Entomologisches

Protokoll der Sitzung vom 19.01.2021 – Zoom-Vortrag unseres Mitglieds Michael Balkenohl: «Peloponnes, ein Exkursionsbericht» Entomologischer Reisebericht

Der Referent gibt zunächst einen Abriss über das Exkursionsgebiet, die Halbinsel Peloponnes in Griechenland, es war seine erste Exkursion dorthin. Die Untersuchungsgebiete verteilten sich über die ganze Halbinsel und reichten von der Meeresküste bis zum Gebirge. Die Herbergssuche erwies sich als recht einfach. Jedes Dorf hat eine Kirche, daneben gibt es eine Beiz, wo man Empfehlungen für Unterkünfte erhält.

Gleich am ersten Halt fand der Referent interessante Käfer erbeutet. Die Gegend wird von Ziegen beweidet, aber recht extensiv. An der Küste bei Kaloghria war die Suche nach einem bestimmten Laufkäfer geplant, von welchem bisher nur zwei Exemplare aus Griechenald bekannt waren. Die nächtliche Suche am Strand war sehr erfolgreich, jedoch gelangen auch Nachweise im schattigen Pinienwald. Beifänge waren Skorpione, eine Sandboa (die einzige europäische Riesenschlange) und diverse Schildkröten.

An einer mykenischen Festung gelang der Fund einer weiteren, ähnlichen Scarythes-Art. Auch interessante Rosen- und Bockkäfer waren zu sehen. Ein vermodernder Ulmenstamm offenbarte bei näherer Untersuchung Schnecken, eine Kröte und wie erhofft zahlreiche Käferlarven. Auch die schöne Flora war ergiebige Quelle für Käfer und weitere Insekten.

Nächste Station war das Taygetos-Gebirge, auch hier wieder mit zahlreichen blühenden Pflanzen und entsprechenden Insekten. Darunter befanden sich Prachtkäfer, diverse Laufkäfer, Nachtfalter, aber auch Spinnen und weitere Schildkröten. Unter Steinen kamen Ameisen-Schlangen und eine neue Carabidenart zum Vorschein.

Der naturnahe Wald beherbergte zahlreiche interessante Käfer, darunter scheue Prachtkäfer und beeindruckende Bockkäfer. Der Referent hat vor, dieses interessante Gebiet erneut zu bereisen.

An den Vortrag schliesst sich eine Diskussion mit Fragerunde an.

Geschäftliches

Anwesende

21 Mitglieder, 1 Gast, Total 22 Personen

Schluss der Sitzung

21:10 Uhr, der Sekretär, Martin Albrecht

Protokoll der Sitzung vom 5.01.2021

Entomologisches

Protokoll der Sitzung vom 5.01.2021 – Vortrag unseres Mitglieds Bähram Alagheband: «Von Kuckucksbienen und Kamelhalsfliegen» Vortrag über verschiedene Exkursionen in der Schweiz im Jahr 2020

14 Tage lang war Fotograf Bähram Alagheband in der Schweiz unterwegs. Er traf dabei auf schlafende Kuckucksbienen, bohrende Riesenholzwespen-Schlupfwespen und lauernde Kamelhalsfliegen. Die besten Bilder und Kurz-Videos aus diesen Trips in die Kantone Bern, Solothurn, Graubünden, Tessin, Zürich und Baselland gibt es in diesem spannenden Vortrag.

Der Referent hat im Jahr 2020 Exkursionen in verschiedene Gegenden der Schweiz unternommen. Er besuchte Graubünden, das Wallis, das Zürcher Unterland und sein heimatliches Solothurn. Dabei dokumentierte er seine Beobachtungen mit schönen Fotos und interessanten Videos. In Feldis/GR entdeckte er eine bunte Mischung an Insekten auf diversen Blüten, darunter ein nicht häufiger Glasflügler. Weitere bemerkenswerte Tiere waren Goldwespen, Schlupfwespen von beeindruckender Grösse, deren Eiablageaktivitäten er mit einem Zeitraffervideo darstellt.

Im Solothurner Jura entdeckte er Sandlaufkäfer und weitere Schlupfwespen. In Nennigkofen untersuchte er einen umgesägten Kirschbaum und fand mehrere Exemplare des Kirschbaum-Prachtkäfers.

Im Berner Oberland bei Wilderswil dokumentierte er einen Grünen Edelscharrkäfer, eine Faulholzmotte, einen Grossen Schillerfalter und Rote Wespen in einem beschädigten Nest.

Bei Rünenberg/BL fand er eine sehr vielfältige Landschaft vor, welche unter anderem die Heimat von Kamelhalsfliegen und Leuchtkäferlarven ist.

Im Tessin fand er bei Cardada vor allem Heuschrecken, aber auch einen beeindruckenden Weberbock. Bei Brusino Arsizio die aus Amerika eingewanderte Büffelzikade, eine Stelzenwanze und eine Bauchsammlerbiene.

Bei Glattfelden/ZH konnte er das EsparsettenWidderchen, den Kleinen Sonnenröschen-Bläuling, den Dünen-Sandlaufkäfer und einen Aaskäfer samt Larve beobachten. Ferner fand er Ödlandschrecken, die Heuschrecken-Sandwespe und den Bienenwolf mit Beute. Ausserdem konnte er die Hornissen-Schwebfliege, die Schwarze Mörtelbiene sowie eine sich putzende bzw. schlafende Kegelbiene fotografieren bzw. im Video festhalten.

An den Vortrag schliesst sich eine Diskussion über die Aufnahmetechnik des Fotografen an.

Geschäftliches

Wegen der nach wie vor notwendigen Beschränkungen sozialer Kontakte infolge der andauernden Coronavirus-Pandemie finden die Anlässe des EVB bis auf Weiteres online statt.

Es gibt sechs6 Personen, welche die Mitgliedschaft beim EVB beantragen. Da eine persönliche Vorstellung diesmal nicht möglich ist, hat der Präsident vorgängig ein Dokument mit Kurzportraits der Personen zukommen lassen. Alle Kandidatinnen und Kandidaten werden ohne Gegenstimme aufgenommen:

Monika Haueter, Liebistorf FR
Fabian Heussler, Münchenbuchsee
Jürg Hostettler, Muri BE
Roger Kohler, Spiegel b.B.
Marcel Niederberger, Brügg b.Biel
Yvonne Ott, Steffisburg

Anwesende

29 Mitglieder, dverse Gäste, Total ca. 40 Personen

Schluss der Sitzung

21:10 Uhr, der Sekretär, Martin Albrecht

Protokoll der Sitzung vom 04.02.2020

Entomologisches

Protokoll der Sitzung vom 04.02.2020 – Vortrag unserer Mitglieder Martin Albrecht, Bolligen und Bernhard Jost, Münsingen: «Schmetterlinge und andere Tiere im Iran». Vortrag über verschiedene Insekten und andere Tiere im Iran.

Die beiden Referenten reisten Ende Mai 2018 zusammen mit Thomas Kissling aus Bülach für knapp zwei Wochen in den Iran um insbesondere das Elburs-Gebirge im Norden des Landes zu erkunden. In der Obhut eines einheimischen Fahrers verlief die Reise unkompliziert und – abgesehen von einigen Pannen des etwas altersschwachen Fahrzeugs – problemlos. Übernachtet wurde in Gästehäusern und Hotels, welche in der Regel einen recht akzeptablen Standard aufwiesen.

Tagsüber unternahmen die Entomologen in der ersten Woche Exkursionen in die Berge nördlich der Provinzhauptstadt Zanjan (etwa 250 km westlich von Teheran). Dabei wurde, auch dank des ungewöhnlich regenreichen Frühjahrs, eine beeindruckende Artenzahl an Schmetterlingen aber auch Heuschrecken, Käfern und anderen Sechsbeinern beobachtet, aber auch Reptilien wie der Scheltopusik, Agamen und eine Schildkröte. Im Gebirge war noch ein deutlicher Frühjahrsaspekt festzustelle. Deshalb waren die vom Sekretär gesuchten Dickkopffalter der Gattung Carcharodus leider noch kaum anzutreffen. Trotzdem zeigte der Vortrag einen guten Überblick der Insekten und anderen Tiere im Iran.

Ein Tag war der Erkundung des reichen kulturellen Erbes des Iran gewidmet. Bei einem Ausflug nach Takht-e-Soleiman wurde die Weltkulturerbestätte mit ihrem artesischen See und den eindrücklichen Ruinen des zoroastrischen Feuertempels in Augenschein genommen. Dort wie auch in allen anderen aufgesuchten Gebieten gab es praktisch keine anderen ausländischen Touristen. Trotz Ramadan konnte  war dank des Status als „Reisende“ jederzeitige Nahrungsaufnahme sogar direkt neben der Strasse möglich.

Beim zweiten Teil des Aufenthalt war Teheran die Ausgangsbasis für weitere Exkursionen in die Berge nördlich und östlich der Stadt. Dabei gelangen weitere Einblicke in die Biodiversität des Elburs-Gebirges. Am letzten Tag wurde dann noch der historische Golestan-Palast im Zentrum besichtigt.

Geschäftliches

Anwesende

27 Mitglieder, 2 Gäste, Total 29 Personen

Schluss der Sitzung

21:20 Uhr, der Sekretär, Martin Albrecht

Protokoll der Sitzung vom 21.01.2020

Entomologisches

Protokoll der Sitzung vom 21.01.2020 – Vortrag unseres Mitglieds Dominik Hofer, Langnau i.E.: «Lust auf Regenwald?» Vortrag über Biodiversität im Regenwald Südamerikas

Der Referent berichtet in seiner üppig bebilderten Präsentation über mehrere Reisen. Diese führten ihn in die Regenwälder Costa Ricas, Perus und Ecuadors. Nach einleitenden Bemerkungen zur Geographie und Vegetation Südamerikas stellt er zunächst den Amazonas vor welcher der wasserreichste Fluss der Welt ist. Die Regenwälder weisen eine enorme Artenvielfalt auf. Es werden Symbiosen zwischen Ameisen und an Pflanzen saugenden Insekten vorgestellt. Ausserdem faszinierende Beispiele für Tarnung und Mimikry: Spinne als Ameise, Stabheuschrecken und Heliconus-Falter. Zahlreiche Fotos, welche unter erschwerten Licht- und Wetterbedingungen entstaden sind, zeigen die Farben- und Formenvielfalt der Fauna. Diese ist besonders bei Schmetterlingen, Käfern, Zikaden, Heuschrecken, Prachtbienen und Spinnen zu beobachten ist.

Östliche Winde transportieren Staub aus der Sahara nach Südamerika, dadurch wird das Amazonasgebiet mit Nährstoffen versorgt. Der Lebensraums ist durch Abholzung, vorwiegend für die Rinderzucht gefährdet, somit ist die Biodiversität akut bedroht.

Neben sechsbeinigen Tieren werden auch Wirbeltiere in Form von Vögeln (insgesamt kommen im Amazonasgebiet 2500 Arten vor), Schlangen, Kröten, Eidechsen und Fledermäusen präsentiert, insbesondere aber die unglaubliche Vielfalt an teils giftigen Froscharten. Von diesen kommen teilweise 30-40 Arten pro Quadratkilometer vor. Sie haben sehr unterschiedliche Fortpflanzungsstrategien entwickelt. Neben diesen Fröschen gibt es viele weitere Gifttiere, darunter Schlangen, Spinnen, aber auch zahlreiche Raupen.

Auch Fotos von Flussdelphinen und einigen Affenarten gelangen dem Referenten. Das Ziel, mit dem Vortrag die Biodiversität im Regenwald Südamerikas zu präsentieren wurde eindrücklich erreicht.

Geschäftliches

Anwesende

26 Mitglieder, 5 Gäste, Total 31 Personen

Schluss der Sitzung

21:55 Uhr, der Sekretär, Martin Albrecht

Protokoll der Sitzung vom 5.11.2019

Entomologisches

Protokoll der Sitzung vom 5.11.2019 – Vortrag über Gletscher / Bärenspinner um Zermatt

Vortrag unseres Mitgliedes Richard Wolf, Fribourg, und Hermann Gerber, Venthône: «Schmetterlings- und Gletscher-‘Mekka’ Zermatt»

Herr Wolf berichtet zunächst über die Gletscher rund um Zermatt und die Entwicklung seit der letzten Eiszeit. Die heutige Ausdehnung der Eismassen und deren starker Rückgang in den letzten Jahrzehnten wird von einem Helikopter aus deutlich sichtbar. Historische Aufnahmen seit 1855 und aktuelle Bilder zeigen beispielhaft den enormen Schwund des Gornergletschers. Für die Alterbestimmung von Gletschervorstössen kommt die Dendrochronologie zum Einsatz. Zahlreiche Berggipfel waren während der letzten Eiszeit nicht von Eis bedeckt (sog. Nunatakker) und ermöglichten so angepassten Pflanzen und Tieren das Überleben.

Anschliessend geht Herr Gerber auf die Eiszeiten und ihre Auswirkungen auf die hochalpinen Bärenspinner H. cervini, G. quenseli und A. flavia ein, welche er mit beeindruckendem Spürsinn bereits an zahlreichen Stellen in den Alpen gefunden hat. Diese Arten sind Juwelen der Schweizer Fauna. Um Zermatt gibt es auch zahlreich botanisch wertvolle Gebiete mit z.T. endemischen Pflanzen.

Herr Gerber führte mit H. cervini auch Kreuzungsexperimente von verschiedenen Fundorten aus der Schweiz, Frankreich und Österreich durch. Obwohl diese voneinander isoliert sind erwiesen sich die Nachkommen als fruchtbar. Als Raupennahrung konnte Zwerg-Weide und eine Miere festgestellt werden. Lebensraum sind vor allem Geröllhalden. G. quenseli fliegt etwa 150 tiefer als die vorige Art, ihr Habitat sind Magerwiesen. Als Raupennahrung dient eine Senecio-Art.

A. flavia, der Engadiner Bär ist nur nach mühsamer Suche im hochalpinen Gelände, während der viele Steine umgedreht werden müssen, zu finden. Nahrungspflanze ist hier Senecio halleri, die Raupen können in der Nähe der Pflanze gefunden werden. Lebensraum sind Blockhalden.

Anschliessend werden noch einige lebende Raupen präsentiert. Die lebhafte Diskussion dreht sich um Zuch, Lebensräume und genetische Aspekte dieser drei speziellen Schmetterlingsarten.

Geschäftliches

Cristina Duarte möchte dem EVB beitreten. Sie ist Umweltingenieurin und möchte mehr über Tagfalter lernen sowie Anschluss an andere entomologisch Interessierte.

Bettina Giger hat denselben beruflichen Hintergrund und möchte ebenfalls Mitglied werden.

Beide Beitrittsanträge werden einstimmig angenommen.

Es wird auf die Vorteile einer Anmeldung für die nächste Sitzung (Podiumsdiskussion) hingewiesen.

Anwesende

35 Mitglieder, 4 Gäste, Total 39 Personen

Schluss der Sitzung

21:45 Uhr, der Sekretär, Martin Albrecht

Heidelibelle & Co – Mit Rolfs Insektenfotos durch die Saison 2019–2020 [aktualisiert]

[Aktualisiert 16.6.2020] Willkommen auf der Übersicht der EVB-Veranstaltungen – in der Saison 2019–2020 mit Heidelibelle & Co!

Der Entomologische Verein Bern (EVB) führt nebst Vorträgen auch Diskussions- und Beamerabende durch – in diesem Jahr sogar eine Podiumsdiskussion. Heuer werden diese Veranstaltungen mit Fotos unseres Mitglieds Rolf Pflugshaupt aus Gümligen angekündigt. Rolf Heidelibelle & Co – Mit Rolfs Insektenfotos durch die Saison 2019–2020 [aktualisiert] weiterlesen

Protokoll der Sitzung vom 6.5.2019

Entomologisches

Vortrag von Peter Huemer, Tiroler Landesmuseen, Innsbruck
Gut bekannt oder unbenannt? Alpenschmetterlinge im Zeitalter des DNA-Barcodings

Herr Huemer erwähnt zunächst als Eckpunkt die Fläche des Alpenraums mit 200’000 km2, auf welcher 5’000 Schmetterlingsarten vorkommen. Die Idee des Barcodings ist, die morphologisch oft schwer unterscheidbaren Arten auf Basis genetischer Unterschiede zu bestimmen. Dies, indem mit dem Barcoding eine «objektive/messbare» Methode herangezogen wird. Damit kann man 97% der Arten zuordnen. Das Hauptziel des Barcodings ist eine Unterscheidung auf genetischer Basis unter Heranziehung einer Vergleichsdatenbank. Dies kann auch den akute Expertenmangel bei vielen Gruppen zumindest teilweise ausgegleichen. Ferner können kryptische Arten erkannt werden, aber auch Präimaginalstadien und es können Körperteile oder Kotproben zugeordnet werden.

Die Methodik beruht auf der Untersuchung der mtDNA (COI-Gen), wobei für den Barcode 658 Basenpaare herangezogen werden. Sammlungen sind wichtige Quellen von Untersuchungsmaterial.Die Daten werden in einer zentralen Datenbank in Guelph (Kanada) gesammelt (BOLD). In den meisten Fällen ist die intraspezifische Variabilität sehr viel geringer als die interspezifische was die hohe Zuverlässigkeit der Methode belegt. Allerdings bestätigen Ausnahmen die Regel. So gibt es Arten mit unterschiedlicher Morphologie, aber identischem Barcode (sog. Barcode Sharing). Wenige Arten zeigen eine grosse intraspezifische Variabilität.

Konsequenzen aus der Anwendung des Barcodings sind auch Anpassungen bei Systematik und Nomenklatur. So entdekte man z.B. einige Synonymien und man konnte viele unbeschriebene Arten identifizieren. Die Einstufung als Unterart oder Art ist jedoch subjektiv. Die Methode lieferte auch wesentliche Erkenntnisse zur Faunistik. Zur Erhöhung der Genauigkeit der Methode können weitere Gene oder das Gesamtgenom herangezogen werden.

Auf den Vortrag folgt eine lebhafte Diskussion.

Geschäftliches

Die Sitzung findet aus organisatorischen Gründen ausnahmsweise an einem Montag statt.

Der Präsident informiert die Anwesenden über den Tod von Hans Rudolf Niklaus welcher im vergangenen Februar nach längerer Krankheit verstorben ist.

Anwesende

23 Mitglieder, 3 Gäste, Total 26 Personen

Schluss der Sitzung

21:20 Uhr, der Sekretär, Martin Albrecht