Schillernder Mohrenfalter & Co

An unserem ersten Diskussionsabend im Herbst 2022 kommen wir nach der Sommerpause wieder in gemütlicher Runde zusammen. Wir laden unsere EVB-Mitglieder dazu ein, ihre neusten Entdeckungen (wie den Schillerndern Mohrenfalter im Bild) oder ein paar Fotos zu zeigen. Für die Präsentation stehen Laptop und Beamer zur Verfügung.


Beitragsbild: Schillernder Mohrenfalter (Erebia arvernensis) in einem alpinen Rasen. Die Art kommt in der Schweiz nur im westlichen Teil der Alpen vor. CC BY-SA 4.0 Bernhard Jost, Münsingen, Schweiz.

Eine naturkundliche Reise durchs südliche Kroatien

Vortrag von Daniel Roesti, Wasen i.E.

Wir fahren in Kroatien der Adriaküste entlang südwärts und geniessen die eindrücklichen Karstlandschaften mit ihrer spärlichen Vegetation und reichen Insektenwelt. Auf der Suche nach speziellen Heuschrecken durchqueren wir die Inseln Hvar und Mljet. Dabei treffen wir auch auf etliche südliche Tagfalterarten. Südlichster Punkt der Reise ist die Stadt Dubrovnik mit ihrer vollständig von einer Stadtmauer umgebenen Altstadt.

Auf der Rückreise besuchen wir eindrückliche Schluchten hinter der Küste. Im Biokovo Naturpark finden wir nahe des höchsten Gipfels von Kroatien eine endemische Beissschrecke und im Velebitgebirge den Kroatischen Heidegrashüpfer, der nur von dieser Stelle bekannt ist.


Beitragsbild: Der Kroatische Heidegrashüpfer (Stenobothrus croaticus) kommt in Kroation nur an einer einzigen Stelle im Velebitgebirge vor. CC BY-SA-4.0 Daniel Roesti, Wasen i.E., Schweiz.

Protokoll der Sitzung vom 15. März 2022

 Entomologisches

Vortrag von Andrea Grill, Wien: «Wie überqueren alpine Tagfalter eine Strasse?»

Die Referentin, welche neben ihrer naturwissenschaftlichen Arbeit auch als Schriftstellering reüssiert, liest daher einleitend einige Seiten aus ihrem Roman «Das Paradies des Doktor Caspar» über Raupen und ihre Zucht vor, welches Parallelen zu ihrer eigenen Arbeit an der Universität enthält. Der folgende Vortrag basiert auf einer Arbeit der von ihr betreuten Masterstudentin A. Polic. Er beschreibt Forschungsresultate aus dem österreichischen Grossglocknergebiet. Die untersuchten Falter der Gattung Erebia kommen jedoch auch in der Schweiz vor.

Thema ist der Trenneffekt von Asphaltstrassen für Falter. Dieser ist grösser ist als man bei flugfähigen Insekten zunächst annehmen würde, allerdings nicht für alle Arten gleich. Wie Daten aus einem Projekt an der Universität Bern zeigen, sind grosse, hochfliegende Arten wie P. machaon wenig beeinträchtigt. Bei M. jurtina wurde jedoch deutliche Auswirkungen beobachtet. Bisherige Untersuchungen zum Thema beschränkten sich auf Vögel und Insekten ausserhalb von Berggebieten.

Das Untersuchungsgebiet ist die Touristenstrasse im Grossglocknergebiet. Es wurden sechs Arten der Gattung Erebia untersucht. Die Gattung ist artenreich und das Ergebnis einer Radiation während der Eiszeiten. Die Arten besiedeln unterschiedliche ökologische Nischen trotz gleicher Nährpflanzen (Gräser). Ihre Zucht ist schwierig, da viele von ihnen zweimal überwintern. Die Studie untersuchte die Durchlässigkeit der alpinen Landschaft für ein geflügeltes Insekt und seine Sensibilität gegenüber Hindernissen. Dabei wurde nach natürlichen (Bäume, Gebüsch und Geröll) und künstlichen (Strasse) unterschieden. Als Methoden kamen Fang-Wiederfang und visuelle Beobachtung zum Einsatz. Es wurden diverse Parameter für insgesamt 373 Falter erhoben und ausgewertet.

Die Ergebnisse zeigten, dass die meisten Tiere recht stationär waren. Falter im mittleren Lebensalter waren jedoch etwas mobiler. Für alle Arten ergab sich eine deutliche Barrierewirkung der Strasse im Vergleich zu anderen Grenzstrukturen. E. euryale und E. nivalis überquerten diese am ehesten, die anderen Arten jedoch deutlich weniger. Der Grund für die Hinderniswirkung ist offenbar die Oberfläche der Strasse und nicht der Verkehr. Die relativ geringe Mobilität der Falter ist anscheinend eine Anpassung an die windigen Verhältnisse im Gebirge. Somit verändern Strassen die Durchlässigkeit von Landschaften für Insekten.

Auf den Vortrag folgt noch eine Fragerunde.

Geschäftliches

Der Präsident lässt sich krankheitshalber entschuldigen. Helene Gurtner möchte dem EVB beitreten. Sie ist Schülerin und interessiert sich allgemein für Insekten sowie Naturfotografie. Der Beitrittsantrag wird ohne Gegenstimme genehmigt.

Varia

Anwesende

17 Mitglieder, 1 Gäste, Total 25 Personen

Schluss der Sitzung

21:05 Uhr, der Sekretär, Martin Albrecht

Wie überqueren alpine Tagfalter eine Strasse?

Vortrag von Andrea Grill, Wien

Für flugfähige Insekten wie alpine Tagfalter der Gattung Erebia sollte ein flacher Streifen Asphalt eigentlich kein Hindernis darstellen. Oder doch? Im Vortrag werden die Auswirkungen einer Strasse im alpinen Lebensraum auf das Verhalten dieser artenreichen Tagfaltergruppe dargestellt und Möglichkeiten skizziert, wie den Insekten das Zusammenleben mit den Menschen im alpinen Raum etwas erleichtert werden könnte.


Beitragsbild: Für alpine Tagfalter wie den Arten der Gattung Erebia sind Asphaltstrassen bereits ein Hindernis. CC BY-SA 3.0 Otberg, Wikipedia.

[ONLINE] Kalahari und Okawango Delta

Vortrag von Michael Balkenohl, Bonstetten

Im südlichen Afrika erstrecken sich im Norden von Botswana zwei gigantische Naturräume, die Kalahari Wüste und das Binnenflussdelta des Okawango. In beiden Naturräumen befinden sich riesige Wildreservate, die jahrzehntelang für die Öffentlichkeit nicht zugänglich waren, und auch heute für den grossen Tourismus gesperrt sind. Sie gehören heute zu den weltweit grössten Schutzgebieten (UNESCO-Weltnaturerbe).

Michael Balkenohl zeigt eindrückliche Beispiele dieser besonderen Landschaften und Biotope und stellt einige ihrer Bewohner vor.

Die online Veranstaltung wird anstelle des live Vortrags von Michael Balkenohl über die Scaritinae (siehe hier neuer Termin) mit Zoom durchgeführt. Der Link wird vorher an die Vereinsmitglieder geschickt. Gäste sind willkommen, wir bitten jedoch um Anmeldung per E-Mail (über Kontakt).


Beitragsbild: Oryxantilope in der Kalahari Wüste. CC BY-SA 4.0 Michael Balkenohl, Bonstetten, Schweiz.

Der Kurzschwänzige und der Südliche Kurzschwänzige Bläuling – Ausbreitung im Tandem?

Der Kurzschwänzige Bläuling und sein südlicher Bruder gehören ebenfalls zu den Klimaprofiteuren unter den Tagfaltern und haben sich in den letzten Jahren insbesondere im Mittelland ausgebreitet. Der Kurzschwänzige und der Südliche Kurzschwänzige Bläuling – Ausbreitung im Tandem? weiterlesen

Der Weisse Waldportier – Der Grösste macht grosse Sprünge

Der Weisse Waldportier ist ebenfalls einer der Klimaprofiteure unter den Tagfaltern. Er hat sich vom Jura  her Richtung Mittelland und Nordalpen ausgebreitet. Der Weisse Waldportier – Der Grösste macht grosse Sprünge weiterlesen

Seidenspinner, Seide und Seidenstrasse

Vortrag von Richard Wolf, Fribourg, und Christoph Vogel, Unterlangenegg

Richard Wolf hat schon als Gymnasiast Seidenspinner aus aller Welt in Bern gezüchtet und konnte dann die weltweite Seidenspinnersammlung des EVB Ehrenmitgliedes Marcel Rüttimann erwerben. Seinen Jugendtraum, die Seidenstrasse zu bereisen, hat er sich dann im Laufe seines Lebens erfüllt und dabei die kommerzielle Seidenraupenzucht kennengelernt.

Christoph Vogel, lic. oec HSG, hat jahrelang in der Textilindustrie gearbeitet, unter anderem in der Stickereiindustrie St. Gallen und der Seidenverarbeitung. Der Handel mit Textilmaschinen ermöglichte ihm, die Seidenherstellung in Zentralasien persönlich kennenzulernen.

Richard Wolf und Christoph Vogel berichten mit Wort, Bild und Sammlungsbelegen der Seidenspinner von ihren vielfältigen Erfahrungen.

Die Veranstaltung war ursprünglich für den 1. Dezember 2020 vorgesehen, sie musste wegen der Pandemie jedoch verschoben werden.


Beitragsbild: Karawane entlang der Seidenstrasse. CC BY 2.0 fdecomite.