Protokoll der Sitzung vom 04.02.2020

Entomologisches

Protokoll der Sitzung vom 04.02.2020 – Vortrag unserer Mitglieder Martin Albrecht, Bolligen und Bernhard Jost, Münsingen: «Schmetterlinge und andere Tiere im Iran». Vortrag über verschiedene Insekten und andere Tiere im Iran.

Die beiden Referenten reisten Ende Mai 2018 zusammen mit Thomas Kissling aus Bülach für knapp zwei Wochen in den Iran um insbesondere das Elburs-Gebirge im Norden des Landes zu erkunden. In der Obhut eines einheimischen Fahrers verlief die Reise unkompliziert und – abgesehen von einigen Pannen des etwas altersschwachen Fahrzeugs – problemlos. Übernachtet wurde in Gästehäusern und Hotels, welche in der Regel einen recht akzeptablen Standard aufwiesen.

Tagsüber unternahmen die Entomologen in der ersten Woche Exkursionen in die Berge nördlich der Provinzhauptstadt Zanjan (etwa 250 km westlich von Teheran). Dabei wurde, auch dank des ungewöhnlich regenreichen Frühjahrs, eine beeindruckende Artenzahl an Schmetterlingen aber auch Heuschrecken, Käfern und anderen Sechsbeinern beobachtet, aber auch Reptilien wie der Scheltopusik, Agamen und eine Schildkröte. Im Gebirge war noch ein deutlicher Frühjahrsaspekt festzustelle. Deshalb waren die vom Sekretär gesuchten Dickkopffalter der Gattung Carcharodus leider noch kaum anzutreffen. Trotzdem zeigte der Vortrag einen guten Überblick der Insekten und anderen Tiere im Iran.

Ein Tag war der Erkundung des reichen kulturellen Erbes des Iran gewidmet. Bei einem Ausflug nach Takht-e-Soleiman wurde die Weltkulturerbestätte mit ihrem artesischen See und den eindrücklichen Ruinen des zoroastrischen Feuertempels in Augenschein genommen. Dort wie auch in allen anderen aufgesuchten Gebieten gab es praktisch keine anderen ausländischen Touristen. Trotz Ramadan konnte  war dank des Status als „Reisende“ jederzeitige Nahrungsaufnahme sogar direkt neben der Strasse möglich.

Beim zweiten Teil des Aufenthalt war Teheran die Ausgangsbasis für weitere Exkursionen in die Berge nördlich und östlich der Stadt. Dabei gelangen weitere Einblicke in die Biodiversität des Elburs-Gebirges. Am letzten Tag wurde dann noch der historische Golestan-Palast im Zentrum besichtigt.

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Anwesende

27 Mitglieder, 2 Gäste, Total 29 Personen

Schluss der Sitzung

21:20 Uhr, der Sekretär, Martin Albrecht

Protokoll der Sitzung vom 21.01.2020

Entomologisches

Protokoll der Sitzung vom 21.01.2020 – Vortrag unseres Mitglieds Dominik Hofer, Langnau i.E.: «Lust auf Regenwald?» Vortrag über Biodiversität im Regenwald Südamerikas

Der Referent berichtet in seiner üppig bebilderten Präsentation über mehrere Reisen. Diese führten ihn in die Regenwälder Costa Ricas, Perus und Ecuadors. Nach einleitenden Bemerkungen zur Geographie und Vegetation Südamerikas stellt er zunächst den Amazonas vor welcher der wasserreichste Fluss der Welt ist. Die Regenwälder weisen eine enorme Artenvielfalt auf. Es werden Symbiosen zwischen Ameisen und an Pflanzen saugenden Insekten vorgestellt. Ausserdem faszinierende Beispiele für Tarnung und Mimikry: Spinne als Ameise, Stabheuschrecken und Heliconus-Falter. Zahlreiche Fotos, welche unter erschwerten Licht- und Wetterbedingungen entstaden sind, zeigen die Farben- und Formenvielfalt der Fauna. Diese ist besonders bei Schmetterlingen, Käfern, Zikaden, Heuschrecken, Prachtbienen und Spinnen zu beobachten ist.

Östliche Winde transportieren Staub aus der Sahara nach Südamerika, dadurch wird das Amazonasgebiet mit Nährstoffen versorgt. Der Lebensraums ist durch Abholzung, vorwiegend für die Rinderzucht gefährdet, somit ist die Biodiversität akut bedroht.

Neben sechsbeinigen Tieren werden auch Wirbeltiere in Form von Vögeln (insgesamt kommen im Amazonasgebiet 2500 Arten vor), Schlangen, Kröten, Eidechsen und Fledermäusen präsentiert, insbesondere aber die unglaubliche Vielfalt an teils giftigen Froscharten. Von diesen kommen teilweise 30-40 Arten pro Quadratkilometer vor. Sie haben sehr unterschiedliche Fortpflanzungsstrategien entwickelt. Neben diesen Fröschen gibt es viele weitere Gifttiere, darunter Schlangen, Spinnen, aber auch zahlreiche Raupen.

Auch Fotos von Flussdelphinen und einigen Affenarten gelangen dem Referenten. Das Ziel, mit dem Vortrag die Biodiversität im Regenwald Südamerikas zu präsentieren wurde eindrücklich erreicht.

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Anwesende

26 Mitglieder, 5 Gäste, Total 31 Personen

Schluss der Sitzung

21:55 Uhr, der Sekretär, Martin Albrecht

Protokoll der Sitzung vom 07.01.2020

Entomologisches

Protokoll der Sitzung vom 07.01.2020 – Diskussionsabend Biodiversität und Zygaena osterodensis.

Herr Pflugshaupt wünscht sich für 2020 eine zunehmende Biodiversität und zeigt einschlägige Bilder aus seinem naturnahen Garten. Er stellt Balkenschröter, Rosenkäfer und Schmetterlinge von ganz klein bis ganz gross vor. Auch Grillen bewohnen die kleine Oase sowie Wildbienen, diverse Wespen, Libellen, Zikaden und Spinnen. Die Metamorphose der Waldschabe wird fotografisch festgehalten.

Herr Fluri berichtet von seinem ANF-Projekt zur Förderung des Widderchens Zygaena osterodensis im Lötschental. Lebensraum der Art sind Wälder. Als Raupennahrung wurde Wald-Wicke nachgewiesen. Dies ist ein Neunachweis für die Schweiz. Die Pflanze benötigt halbschattige Standorte wie Waldwege, Schlagfluren oder Lawinenrunsen. Geeignete Pflegemassnahmen sollen die langfristige Erhaltung der Lebensräume sicherstellen. Intensive Mahd der Wegränder ist ein Problem.

Geschäftliches

Das Protokoll der Podiumsdiskussion vom 3. Dezember 2019 wird verlesen und genehmigt.

Es gibt bereits wieder drei Personen, welche die Mitgliedschaft beim EVB beantragen. Sarah Rohr schreibt ihre Masterarbeit über Spinnen im Selhofer Zopfen. Sie möchte im Verein gerne Networking betreiben und Einblick in andere Arthropodengruppen erhalten.

Kilian Schlunegger arbeitet bei der ANF und schreibt z.Zt. eine Bachelorarbeit über Laufkäfer. Ihn interessiert vor allem der wissenschaftliche Austausch im Verein.

Franziska Witschi hat Biologie studiert und ist Spezialistin für Wanzen. Sie arbeitet bei Naturaqua Bern.

Es wurde über die Beitrittsgesuche abgestimmt und alle wurden einstimmig angenommen.

Anwesende

24 Mitglieder, 0 Gäste, Total 24 Personen

Schluss der Sitzung

21:45 Uhr, der Sekretär, Martin Albrecht

Protokoll der Sitzung vom 17.12.2019

Entomologisches

Protokoll der Sitzung vom 27.12.2019 – Diskussionsabend: Nachlese Podiumsdiskussion

Im Nachgang zur Podiumsdiskussion vom 3. 12. hat es noch ein Radiointerview mit Hans-Peter Wymann und diverse Presseberichte gegeben. Herr Wolf fühlte sich beim Blick auf das Publikum an seine Predigten erinnert: Die Anwesenden gehörten schon alle zu den „Gläubigen“. Wichtig wäre es jedoch, die Landwirte zu sensibilisieren. Herr Adamek hat einige kritische Anmerkungen zur Statistik der Krefelder Studie. Herrn Baur ist diese zu pauschal, und er weist darauf hin, dass es bisher kaum konkrete Kritik an dieser Studie gibt. Am generellen Negativtrend gibt es keine Zweifel. Es wird auf die ungenügende Ausbildung von Bauern und Gärtnern in ökologischen Belangen hingewiesen.

Herr Cordillot berichtet über einen Einsatz für „Plan B“ bei SF DRS. Ausserdem erwähnt er Bestrebungen zur Kommerzialisierung von Ameisen und anderen Insekten. Entsprechende Onlineshops nehmen zu. Auch Falter der endemischen Erebia christi tauchten in einem Onlineshop auf. Herr Wymann empört sich über die Diskrepanz zwischen Sammelverboten und „ordnungsgemässer Landwirtschaft“ mit ihren ungleich schlimmeren Auswirkungen auf die Biodiversität. Auch die unsägliche „Apollofrevel-Story“ wird noch einmal erwähnt. Die gesetzlichen Regulierungen bringen bei Insekten bekanntlich nichts für den Artenschutz, behindern jedoch nachhaltig die Forschungsarbeit.

Kaspar Lanz präsentiert seine Maturaarbeit zum Vorkommen asiatische Marienkäfer (Harmonia ayxridis) im Raum Bern. Die Art hat ein vielfältiges Äusseres, ist polyphag und ernährt sich auch von Früchten. Von ca. 180 gesammelten Marienkäfern waren ein Drittel H. ayxridis, der Rest verteilte sich auf 15 weitere Arten.

Herr Bryner stellt das neue Buch von Jürg Schmid über Kleinschmetterlinge der Alpen vor, das Ergebnis zahlreicher Gebirgsexkursionen und Zuchte des Autors.

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Der Präsident weist auf die Möglichkeit hin, Projekte mit der ANF durchzuführen. Vorschläge sind bis Ende Februar über unserer Website einzureichen.

Die Protokolle vom 5. und 19. November 2019 werden verlesen und genehmigt.

Anwesende

21 Mitglieder, 0 Gäste, Total 21 Personen

Schluss der Sitzung

21:40 Uhr, der Sekretär, Martin Albrecht

Protokoll der Sitzung vom 3.12.2019 (Podiumsdiskussion)

Entomologisches

Protokoll der Sitzung vom 3.12.2019 – Podiumsdiskussion Insektensterben

Podiumsdiskussion: «Insektensterben – Sind wir dem Untergang geweiht?»

Der dramatische Rückgang der Insekten bedroht auch das Überleben anderer Tiere und Pflanzen: Als Nahrung und Bestäuber sind Schmetterlinge, Fliegen, Wespen und Co. nämlich unentbehrlich. Ihr Verschwinden bedeutet somit auch das Ende vieler anderer Lebewesen. Auch von uns?

Auslöser der Debatte war die mittlerweile weltberühmte «Krefelder Studie». Bei unserer Podiumsdiskussion diskutierte einer der Verfasser mit anderen Expertinnen und Experten die verschiedenen Ursachen und Auswirkungen des Insektensterbens und was es braucht, um das Schlimmste abzuwenden.

Unter der Leitung von reatch diskutierten:

Eva Knop, Biologie-Dozentin, Universität Zürich und Agroscope Zürich
Hanspeter Latour
, Naturfotograf und Ex-Fussballtrainer, Thun
Martin Sorg
, Biologe, Entomologischer Verein Krefeld, Mit-Autor der «Krefelder Studie» über das Insektensterben
Hans-Peter Wymann, Insektenforscher und Wissenschaftlicher Illustrator am Naturhistorischen Museum Bern

Die Veranstaltung wurde gemeinsam mit dem Naturhistorischen Museum Bern durchgeführt. Sie stiess auf grosses Publikumsinteresse, der Hörsaal war bis auf den letzten Platz gefüllt.

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Anwesende

42 Mitglieder, ca. 160 Gäste, Total ca. 200 Personen

Schluss der Sitzung

21:00 Uhr, der Sekretär, Martin Albrecht

Protokoll der Sitzung vom 19.11.2019

Entomologisches

Protokoll der Sitzung vom 19.11.2019 – Diskussionsabend: Citizen Science & Schmetterlinge

Hannes Baur erwähnt eine neue Studie zum Insektensterben, die am 30.10.19 in „Nature“ erschienen ist und die Krefeld-Studie bestätigt.

Julia Lanner stellt ihr „Citizien Science“ Projekt zum Vorkommen der Asiatischen Mörtelbiene in der Schweiz und Österreich vor. Durch den Aufruf auf der Homepage des EVB, Instagram und diversen Online- und Printmedien konnten die Daten zur Verbreitung der Mörtelbiene in der Schweiz und den umgebenden Ländern stark erweitert werden.

Hanspeter Wymann ergänzt den Bericht zum Problem mit einem Wildhüter im Berner Oberland, über das in der Sitzung vom 15.10.19 Raymond Guenin berichtet hatte. Herr Wymann wird bei den Wildhütern eine Schulung durchführen zum Thema: „Welche Insektenarten sind geschützt und was darf ein Entomologe machen und was nicht“.

Hanspeter Wymann erwähnt, dass bereits Vorbrodt 1922 von einer Abnahme der Insekten geschrieben habe. Jürg Studer ergänzt, dass man eine Abnahme auch bei den Fischen seit vielen Jahrzehnten beobachten müsse.

Wymann erwähnt, dass die Liste der Tagfalternachweise im Berner Oberland nun 151 Arten aufweist. Er hat einige Kasten mit Arten mitgebracht, die in den letzten Jahren eine starke Ausbreitung in der Schweiz erfahren haben.

André Röthlisberger berichtet von interessanten Beobachtungen im Naturschutzgebiet „Hoger“ in Bremgarten. Er hat u.a. eine seltene Furchenbienenart (Lasioglossus sp) sowie einen Schlupfwespen-Glasflügler gefunden.

Lukas Straumann erwähnt, dass er einen Spinnenläufer (Scutigera coleoptrata) im Haus gesehen habe und möchte wissen, ob weitere Anwesende von Beobachtungen berichten können. Dies ist der Fall. Dass der Präsident bei dem ursprl aus dem Mittelmeerraum stammenden Tier von „gruusiges Viech“ spricht, findet keinen Anklang. (Es handelt sich hier nicht um ein Insekt, sondern einen Hundertfüssler [Arthropode]).

Hannes Baur berichtet vom 11-15 mm langen Weinhähnchen (Oecanthus pellucens), das seine Anwesenheit mit einem auffälligen Zirpen bekannt macht und das in diesem Jahr häufig zu hören war.

Es gibt auch noch eine kurze Diskussion über das Bild einer Schmetterlingsmücke zu der Veranstaltung vom 19.11. auf der Homepage des EVB. Rolf Pflugshaupt weist darauf hin, dass die Abortfliege nicht nur in Aborten und der Kanalisation vorkomme und schon gar nicht bei ihm zu Hause.

Geschäftliches

Das Protokoll vom 15. Oktober 2019 wird verlesen und genehmigt.

Hannes Baur weist noch einmal darauf hin, dass die Plätze für die Veranstaltung zum Insektensterben vom 3.12.2019 beschränkt sind. Man sollte sich unbedingt anmelden.

Anwesende

20 Mitglieder, 0 Gäste, Total 20 Personen

Schluss der Sitzung

21:40 Uhr, der Präsident, Michael Gilgen

Protokoll der Sitzung vom 5.11.2019

Entomologisches

Protokoll der Sitzung vom 5.11.2019 – Vortrag über Gletscher / Bärenspinner um Zermatt

Vortrag unseres Mitgliedes Richard Wolf, Fribourg, und Hermann Gerber, Venthône: «Schmetterlings- und Gletscher-‘Mekka’ Zermatt»

Herr Wolf berichtet zunächst über die Gletscher rund um Zermatt und die Entwicklung seit der letzten Eiszeit. Die heutige Ausdehnung der Eismassen und deren starker Rückgang in den letzten Jahrzehnten wird von einem Helikopter aus deutlich sichtbar. Historische Aufnahmen seit 1855 und aktuelle Bilder zeigen beispielhaft den enormen Schwund des Gornergletschers. Für die Alterbestimmung von Gletschervorstössen kommt die Dendrochronologie zum Einsatz. Zahlreiche Berggipfel waren während der letzten Eiszeit nicht von Eis bedeckt (sog. Nunatakker) und ermöglichten so angepassten Pflanzen und Tieren das Überleben.

Anschliessend geht Herr Gerber auf die Eiszeiten und ihre Auswirkungen auf die hochalpinen Bärenspinner H. cervini, G. quenseli und A. flavia ein, welche er mit beeindruckendem Spürsinn bereits an zahlreichen Stellen in den Alpen gefunden hat. Diese Arten sind Juwelen der Schweizer Fauna. Um Zermatt gibt es auch zahlreich botanisch wertvolle Gebiete mit z.T. endemischen Pflanzen.

Herr Gerber führte mit H. cervini auch Kreuzungsexperimente von verschiedenen Fundorten aus der Schweiz, Frankreich und Österreich durch. Obwohl diese voneinander isoliert sind erwiesen sich die Nachkommen als fruchtbar. Als Raupennahrung konnte Zwerg-Weide und eine Miere festgestellt werden. Lebensraum sind vor allem Geröllhalden. G. quenseli fliegt etwa 150 tiefer als die vorige Art, ihr Habitat sind Magerwiesen. Als Raupennahrung dient eine Senecio-Art.

A. flavia, der Engadiner Bär ist nur nach mühsamer Suche im hochalpinen Gelände, während der viele Steine umgedreht werden müssen, zu finden. Nahrungspflanze ist hier Senecio halleri, die Raupen können in der Nähe der Pflanze gefunden werden. Lebensraum sind Blockhalden.

Anschliessend werden noch einige lebende Raupen präsentiert. Die lebhafte Diskussion dreht sich um Zuch, Lebensräume und genetische Aspekte dieser drei speziellen Schmetterlingsarten.

Geschäftliches

Cristina Duarte möchte dem EVB beitreten. Sie ist Umweltingenieurin und möchte mehr über Tagfalter lernen sowie Anschluss an andere entomologisch Interessierte.

Bettina Giger hat denselben beruflichen Hintergrund und möchte ebenfalls Mitglied werden.

Beide Beitrittsanträge werden einstimmig angenommen.

Es wird auf die Vorteile einer Anmeldung für die nächste Sitzung (Podiumsdiskussion) hingewiesen.

Anwesende

35 Mitglieder, 4 Gäste, Total 39 Personen

Schluss der Sitzung

21:45 Uhr, der Sekretär, Martin Albrecht

Protokoll der Sitzung vom 15.10.2019

Entomologisches

Protokoll der Sitzung vom 15.10.2019 – Eintrittswelle und diverse Berichte

Herr Brunnschweiler berichtet von einem sommerlichen Ameisen-Massenflug.

Herr Guenin hat neue Erkenntnisse über Grünzygaenen der Arten Adscita statices und alpina. Diese schliessen sich verbreitungsmässig weitgehend aus. Genaue Vergleiche der Männchen-Genitalien zeigen, dass es in der Kontaktzone im Wallis Hybride gibt. Details können bald in seinem neuen Buch über die Zygaenen der Alpen nachgelesen werden. Im Oberhasli hatte er eine unerfreuliche Begegnung mit einem Wildhüter, welcher im das Sammeln – obwohl völlig legal – verbieten wollte. Es gibt jetzt jedoch dafür Bewilligungen…

Der Präsident hat einige lebende Käfer mitgebracht: Mulmbock und Gold-Rosenkäfer.

Herr Bryner berichtet vom Ausflug der «Micro-Gruppe» nach Derborence. Dabei wurde eine neue Kleinschmetterlingsart für die Schweiz gefunden, wobei es sich um eine boreoalpine Momphide handelt. Am Mt. Vully gelangen weitere Nachweise einer Tineide, welche offenbar eine neue Art ist.

Der Sekretär hat aus Deutschland ein Pheromon für den Nachweis des Herbstspinners Lemonia dumi erhalten.

Das von Herrn Huber geschriebene Buch über den ersten Konservator für Entomologie am Berner Museum ist jetzt erhältlich.

Herr Jost hat einige neue Erkenntnisse über den Fetthennen-Bläuling gewonnen. Es gibt blaue und schwarze Männchenformen. Im Wallis kommen beide vor, jedoch sind sie räumlich getrennt. Die schwarze Form hat zudem nur eine Generation, die blaue zwei.

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Ganze fünf Anwesende möchten gerne dem EVB beitreten. Bettina Wegenast aus Bern interessiert sich für alles, was kreucht und fleucht. Sie hät Grillen und Schaben. Beruflich produziert sie Computerspiele und ist Theaterautorin.

Gabriel Stettler aus Bern ist Gymnasiast und beschäftigt sich mit Schmetterlingszucht.

Kaspar Lanz aus Bern ist ebenfalls Gymnasiast und hat seine Maturaarbeit über Asiatische Marienkäfer geschrieben.

Lukas Straumann aus Bern ist Historiker, Geschäftsführer des Bruno Manser-Fonds, hält Bienen und ist der Vater von Kaspar.

Bähram Alagheband aus Solothurn hat iranische Wurzeln. Er arbeitet als Journalist für SRF und ist allgemein Fan von Tieren und der Natur. Er betreibt auch Tierfotografie.

Ein Protokoll wird verlesen und genehmigt.

Anwesende

22 Mitglieder, 0 Gäste, Total 26 Personen

Schluss der Sitzung

21:45 Uhr, der Sekretär, Martin Albrecht

Protokoll der Sitzung vom 21.5.2019

Entomologisches

Herr Baur berichtet, dass er eine Zotero-Seite für den EVB erstellt hat. Dort können z.B. Publikationen aufgeführt werden was die Möglichkeit einer Publikationsübersicht der EVB-Mitglieder bietet. Einschliesslich Links auf Biodiversity Heritage Library und ePeriodica. Herr Baur bittet die Mitglieder, ihm Informationen (Literaturhinweise) zur Ergänzung der Zotero-Seite zukommen zu lassen.

Der Präsident bittet um Beiträge für die EVB-Homepage und berichtet über den Stand bei den eingereichten Artenförderprojekten in Zusammenarbeit mit der ANF. Alle vier eingereichten Projekte wurden akzeptiert (2mal M. nausithous, Z. osterodensis, L. textor). Das Projekt zum Weberbock von Herrn Gilgen ist erfolgreich angelaufen und auch auf Instagram vertreten.

Der Sekretär informiert über einen Fledermaus-/Nachtfalteranlass im Botanischen Garten am 24. August. Das ist eine Möglichkeit, den EVB einem grösseren Publikum bekanntzumachen. Herr Baur und er werden an dem Anlass im BoGa teilnehmen. Frau Knoblauch weist auf eine dort ebenfalls stattfindende Veranstaltung am 27. Juni zu invasiven Arten hin.

Herr Wymann ist der Zeitung «20 Minuten» als Schmetterlingsexperte zu Diensten gewesen und konnte ein Raupennest des Alpen-Ringelspinners im Seeland identifizieren. Die Art breitet sich seit ca. 20 Jahre aus und erobert auch tiefer gelegene Gebiete. Herr Bryner berichtet von der aktuellen Prozessionsspinner-Hysterie in Deutschland. Die ausgeprägte Mähwut der Gemeinden und Landwirte wird zum wiederholten Male beklagt, auch wenn es löbliche Ausnahmen gibt.

Frau Baumann berichtet von ihrer Teilnahme an einem Wildpflanzenmarkt in Biel und positiven Begegnungen mit Besuchern. Herr Mosimann erzählt von Beispielen für naturnahe Pflegemassnahmen und Unterstützung durch Gemeinden im Aaretal.

Der Präsident entlässt die Mitglieder in eine hoffentlich entomologisch ergiebige Sommerpause.

Geschäftliches

Julia Lanner beantragt Aufnahme in den EVB. Sie kommt aus Österreich und studiert Biologie. Ihre Interessensgebiete sind Wildbienen und molekulare Biologie. Der Antrag wird einstimmig angenommen.

Zwei Protokolle werden verlesen und genehmigt.

Anwesende

26 Mitglieder, 0 Gäste, Total 26 Personen

Schluss der Sitzung

21:45 Uhr, der Sekretär, Martin Albrecht

Protokoll der Sitzung vom 6.5.2019

Entomologisches

Vortrag von Peter Huemer, Tiroler Landesmuseen, Innsbruck
Gut bekannt oder unbenannt? Alpenschmetterlinge im Zeitalter des DNA-Barcodings

Herr Huemer erwähnt zunächst als Eckpunkt die Fläche des Alpenraums mit 200’000 km2, auf welcher 5’000 Schmetterlingsarten vorkommen. Die Idee des Barcodings ist, die morphologisch oft schwer unterscheidbaren Arten auf Basis genetischer Unterschiede zu bestimmen. Dies, indem mit dem Barcoding eine «objektive/messbare» Methode herangezogen wird. Damit kann man 97% der Arten zuordnen. Das Hauptziel des Barcodings ist eine Unterscheidung auf genetischer Basis unter Heranziehung einer Vergleichsdatenbank. Dies kann auch den akute Expertenmangel bei vielen Gruppen zumindest teilweise ausgegleichen. Ferner können kryptische Arten erkannt werden, aber auch Präimaginalstadien und es können Körperteile oder Kotproben zugeordnet werden.

Die Methodik beruht auf der Untersuchung der mtDNA (COI-Gen), wobei für den Barcode 658 Basenpaare herangezogen werden. Sammlungen sind wichtige Quellen von Untersuchungsmaterial.Die Daten werden in einer zentralen Datenbank in Guelph (Kanada) gesammelt (BOLD). In den meisten Fällen ist die intraspezifische Variabilität sehr viel geringer als die interspezifische was die hohe Zuverlässigkeit der Methode belegt. Allerdings bestätigen Ausnahmen die Regel. So gibt es Arten mit unterschiedlicher Morphologie, aber identischem Barcode (sog. Barcode Sharing). Wenige Arten zeigen eine grosse intraspezifische Variabilität.

Konsequenzen aus der Anwendung des Barcodings sind auch Anpassungen bei Systematik und Nomenklatur. So entdekte man z.B. einige Synonymien und man konnte viele unbeschriebene Arten identifizieren. Die Einstufung als Unterart oder Art ist jedoch subjektiv. Die Methode lieferte auch wesentliche Erkenntnisse zur Faunistik. Zur Erhöhung der Genauigkeit der Methode können weitere Gene oder das Gesamtgenom herangezogen werden.

Auf den Vortrag folgt eine lebhafte Diskussion.

Geschäftliches

Die Sitzung findet aus organisatorischen Gründen ausnahmsweise an einem Montag statt.

Der Präsident informiert die Anwesenden über den Tod von Hans Rudolf Niklaus welcher im vergangenen Februar nach längerer Krankheit verstorben ist.

Anwesende

23 Mitglieder, 3 Gäste, Total 26 Personen

Schluss der Sitzung

21:20 Uhr, der Sekretär, Martin Albrecht