Protokoll der Sitzung vom 5.11.2019

Entomologisches

Protokoll der Sitzung vom 5.11.2019 – Vortrag über Gletscher / Bärenspinner um Zermatt

Vortrag unseres Mitgliedes Richard Wolf, Fribourg, und Hermann Gerber, Venthône: «Schmetterlings- und Gletscher-‘Mekka’ Zermatt»

Herr Wolf berichtet zunächst über die Gletscher rund um Zermatt und die Entwicklung seit der letzten Eiszeit. Die heutige Ausdehnung der Eismassen und deren starker Rückgang in den letzten Jahrzehnten wird von einem Helikopter aus deutlich sichtbar. Historische Aufnahmen seit 1855 und aktuelle Bilder zeigen beispielhaft den enormen Schwund des Gornergletschers. Für die Alterbestimmung von Gletschervorstössen kommt die Dendrochronologie zum Einsatz. Zahlreiche Berggipfel waren während der letzten Eiszeit nicht von Eis bedeckt (sog. Nunatakker) und ermöglichten so angepassten Pflanzen und Tieren das Überleben.

Anschliessend geht Herr Gerber auf die Eiszeiten und ihre Auswirkungen auf die hochalpinen Bärenspinner H. cervini, G. quenseli und A. flavia ein, welche er mit beeindruckendem Spürsinn bereits an zahlreichen Stellen in den Alpen gefunden hat. Diese Arten sind Juwelen der Schweizer Fauna. Um Zermatt gibt es auch zahlreich botanisch wertvolle Gebiete mit z.T. endemischen Pflanzen.

Herr Gerber führte mit H. cervini auch Kreuzungsexperimente von verschiedenen Fundorten aus der Schweiz, Frankreich und Österreich durch. Obwohl diese voneinander isoliert sind erwiesen sich die Nachkommen als fruchtbar. Als Raupennahrung konnte Zwerg-Weide und eine Miere festgestellt werden. Lebensraum sind vor allem Geröllhalden. G. quenseli fliegt etwa 150 tiefer als die vorige Art, ihr Habitat sind Magerwiesen. Als Raupennahrung dient eine Senecio-Art.

A. flavia, der Engadiner Bär ist nur nach mühsamer Suche im hochalpinen Gelände, während der viele Steine umgedreht werden müssen, zu finden. Nahrungspflanze ist hier Senecio halleri, die Raupen können in der Nähe der Pflanze gefunden werden. Lebensraum sind Blockhalden.

Anschliessend werden noch einige lebende Raupen präsentiert. Die lebhafte Diskussion dreht sich um Zuch, Lebensräume und genetische Aspekte dieser drei speziellen Schmetterlingsarten.

Geschäftliches

Cristina Duarte möchte dem EVB beitreten. Sie ist Umweltingenieurin und möchte mehr über Tagfalter lernen sowie Anschluss an andere entomologisch Interessierte.

Bettina Giger hat denselben beruflichen Hintergrund und möchte ebenfalls Mitglied werden.

Beide Beitrittsanträge werden einstimmig angenommen.

Es wird auf die Vorteile einer Anmeldung für die nächste Sitzung (Podiumsdiskussion) hingewiesen.

Anwesende

35 Mitglieder, 4 Gäste, Total 39 Personen

Schluss der Sitzung

21:45 Uhr, der Sekretär, Martin Albrecht