Protokoll der Sitzung vom 15. März 2022

 Entomologisches

Vortrag von Andrea Grill, Wien: «Wie überqueren alpine Tagfalter eine Strasse?»

Die Referentin, welche neben ihrer naturwissenschaftlichen Arbeit auch als Schriftstellering reüssiert, liest daher einleitend einige Seiten aus ihrem Roman «Das Paradies des Doktor Caspar» über Raupen und ihre Zucht vor, welches Parallelen zu ihrer eigenen Arbeit an der Universität enthält. Der folgende Vortrag basiert auf einer Arbeit der von ihr betreuten Masterstudentin A. Polic. Er beschreibt Forschungsresultate aus dem österreichischen Grossglocknergebiet. Die untersuchten Falter der Gattung Erebia kommen jedoch auch in der Schweiz vor.

Thema ist der Trenneffekt von Asphaltstrassen für Falter. Dieser ist grösser ist als man bei flugfähigen Insekten zunächst annehmen würde, allerdings nicht für alle Arten gleich. Wie Daten aus einem Projekt an der Universität Bern zeigen, sind grosse, hochfliegende Arten wie P. machaon wenig beeinträchtigt. Bei M. jurtina wurde jedoch deutliche Auswirkungen beobachtet. Bisherige Untersuchungen zum Thema beschränkten sich auf Vögel und Insekten ausserhalb von Berggebieten.

Das Untersuchungsgebiet ist die Touristenstrasse im Grossglocknergebiet. Es wurden sechs Arten der Gattung Erebia untersucht. Die Gattung ist artenreich und das Ergebnis einer Radiation während der Eiszeiten. Die Arten besiedeln unterschiedliche ökologische Nischen trotz gleicher Nährpflanzen (Gräser). Ihre Zucht ist schwierig, da viele von ihnen zweimal überwintern. Die Studie untersuchte die Durchlässigkeit der alpinen Landschaft für ein geflügeltes Insekt und seine Sensibilität gegenüber Hindernissen. Dabei wurde nach natürlichen (Bäume, Gebüsch und Geröll) und künstlichen (Strasse) unterschieden. Als Methoden kamen Fang-Wiederfang und visuelle Beobachtung zum Einsatz. Es wurden diverse Parameter für insgesamt 373 Falter erhoben und ausgewertet.

Die Ergebnisse zeigten, dass die meisten Tiere recht stationär waren. Falter im mittleren Lebensalter waren jedoch etwas mobiler. Für alle Arten ergab sich eine deutliche Barrierewirkung der Strasse im Vergleich zu anderen Grenzstrukturen. E. euryale und E. nivalis überquerten diese am ehesten, die anderen Arten jedoch deutlich weniger. Der Grund für die Hinderniswirkung ist offenbar die Oberfläche der Strasse und nicht der Verkehr. Die relativ geringe Mobilität der Falter ist anscheinend eine Anpassung an die windigen Verhältnisse im Gebirge. Somit verändern Strassen die Durchlässigkeit von Landschaften für Insekten.

Auf den Vortrag folgt noch eine Fragerunde.

Geschäftliches

Der Präsident lässt sich krankheitshalber entschuldigen. Helene Gurtner möchte dem EVB beitreten. Sie ist Schülerin und interessiert sich allgemein für Insekten sowie Naturfotografie. Der Beitrittsantrag wird ohne Gegenstimme genehmigt.

Varia

Anwesende

17 Mitglieder, 1 Gäste, Total 25 Personen

Schluss der Sitzung

21:05 Uhr, der Sekretär, Martin Albrecht

Protokoll der Hauptversammlung vom 1. 03. 2022

Geschäftliches
Bericht des Sekretärs
    1. Administratives
    • Mitgliederbestand: 109 (+3) Aktivmitglieder, 8 (-3) in Ausbildung und 20 (-1) Ehrenmitglieder, Total 138 Mitglieder (±0).
    • Besucher (inkl. Gäste): Durchschnitt 31.2 (-2.4), Maximum 47, Minimum 23. Corona-bedingt fanden alle Sitzungen im ersten Halbjahr sowie die beiden im Dezember online per Zoom statt.
    • Mutationen seit der letzten Hauptversammlung
      Aufnahmen: Jürg Hostettler, Fabrice Bucheli (19. 10.), Sara Schindhelm (2. 11.), Christine Thomet (28. 2.)
      Austritte: Nicola Liechti, Beat Gerber, Werner Marggi
      Verstorben: –

Präsident: Dr. Michael Gilgen, Oberhohrain 5, 3256 Bangerten, 079 543 40 01
Vizepräsidentin: Julia Lanner
Sekretär: Martin Albrecht
Kassier: Dr. Michael Balkenohl
Bibliothekar: Bernhard Jost
Webmaster: Hannes Baur
Beisitzende: Julia Lanner, Dr. Lukas Straumann

Vereinslokal: Naturhistorisches Museum, Bernastrasse 15, 3005 Bern

Vertreter bei der SEG: Marc Neumann.

    1. Vereinsausflug

Der Vereinsausflug des EVB fand am 27. Juni in der Umgebung von Hohtenn statt. Es nahmen 21 Mitglieder teil.

    1. Vortragsprogramm im Jahr 2021 (vom 5. 01. 2021 bis 21. 12. 2021)

5. Januar: Bähram Alagheband: Von Kuckucksbienen und Kamelhalsfliegen
19. Januar: Michael Balkenohl: Peloponnes, ein Exkursionsbericht
16. Februar: Christoph Germann: Unauffällige Stäbchen – Die Styphlini (Rüsselkäfer)
20. April: Rudolf Bryner: Monographie Adelidae – Bilder aus dem Tagebuch der Entstehungsgeschichte
4. Mai: Stefan Hertwig: Borneo, ein Eldorado für Biodiversitätsforscher
2. November: Richard Wolf, Christoph Vogel: Seidenspinner, Seide und Seidenstrasse
16. November: Katrin Luder, Bähram Alagheband: Glanz und Glitzer: Juwelen der Schweizer Insektenwelt
21. Dezember: Sophie Kratschmer: Wildbienen und Honigbienen: Konkurrenz oder Koexistenz im Agrarökosystemen?

    1. Mitgliederumfrage

Erstmalig fand eine Befragung der Mitglieder zur ihrer Motivation, dem EVB beizutreten sowie ihrer Zufriedenheit mit dem Angebot des Vereins statt. Verschiedene Massnahmen zur Optimierung sind in Planung.

Der Bericht wird ohne Gegenstimme genehmigt.

Bericht des Kassiers

Wegen der Steuerbefreiung auf Grund seiner zwischenzeitlich genehmigten Gemeinnützigkeit umfasst der Bericht das Kalenderjahr. Die finanzielle Situation des EVB ist nach wie vor positiv. Es resultierte ein Einnahmenüberschuss von CHF 926.51

Der Webmaster empfiehlt, auch die Website analog zum bisherigen Archiv langfristig zu dokumentieren. Dafür bräuchte es ein kleines Skript, über welches die Website regelmässig automatisch im Internet Archive und auf Archive.org gesichert würde. Die Kosten dafür betragen CHF 1200,-

Der Bericht und die Erstellung des Skripts werden ohne Gegenstimme genehmigt. Der Einsatz des Kassiers wird verdankt.

Bericht des Bibliothekars
    1. Bibliotheksbenutzung

Pandemiebedingt war der Zugang zur Bibliothek 2021 sehr stark eingeschränkt und die Benutzung war auf tiefstem Niveau.

    1. Abonnierte Zeitschriften

Im Laufe des Berichtsjahrs sind von März 2021 bis Februar 2022 total 2 Hefte bei uns eingetroffen:

    • Entomo Helvetica, 14 / 2021
    • Alpine Entomology 5/2021

Der Bericht wird ohne Gegenstimme genehmigt.

Bericht des Webmasters

Die Nutzung unserer Website zeigt eine stabile Tendenz mit knapp 6000 Aufrufen im Jahr 2021. Es gibt ein neues Anmeldeformular, über welches sich interessierte Personen direkt melden können. Beiträge von den Mitgliedern für die Website sind weiterhin willkommen. Es gibt eine Zotero-Seite mit Veröffentlichungen unserer Mitglieder (www.zotero.org/insekten-evb).

Der Bericht wird ohne Gegenstimme genehmigt.

Berichte der Beisitzenden

Julia Lanner (Newsletter): 24 Newsletter und Einladungen für Veranstaltungen erstellt und Instagram-Accout gepflegt.

Lukas Straumann (Öffentlichkeitsarbeit): Sitzung mit der ANF (Januar 2021) über verbesserte Zusammenarbeit. Kurzer Rückblick auf die Diskussionen um die Trinkwasserinitiative. Der EVB ist seit 2021 steuerbefreit, da als gemeinnützig anerkannt. Damit wurde der Prozess der Anerkennung erfolgreich abgeschlossen. Auch für 2022 wurde wieder ein Insektenkalender erstellt, diesmal in Eigenregie. Für 2023 wird noch ein Kooperationspartner gesucht (ev. Pronatura Bern).

Beide Berichte werden ohne Gegenstimmen genehmigt.

Vorstandswahlen

Der bisherige Vizepräsidentin und Beisitzerin Julia Lanner tritt aus dem Vorstand zurück, ebenso der Kassier, Michael Balkenohl. Ihre Einsätze werden verdankt. Michael Balkenohl bedankt sich für die Unterstützung und gute Zahlungsmoral der Mitglieder und ihr Vertrauen.

Als neuer Kassier kandidiert Marc Neumann. Er ist als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Naturmuseum Solothurn beschäftigt und dort für die Wirbellosen zuständig. Die Wahl erfolgt ohne Gegenstimme.

Als neue Beisitzerin kandidiert Sarah Rohr. Die Wahl erfolgt ohne Gegenstimme.

Leider konnte kein(e) Kandidat(in) für das Amt des Vizepräsidenten rekrutiert werden. Daher soll das Vortragsprogramm bis auf Weiteres von den Vorstandsmitgliedern zusammengestellt werden.

Jahresbeitrag

Die Kassenlage und das geplante Budget erlauben weiterhin die Beibehaltung des bisherigen Beitrags. Der Antrag des Vorstandes, den Mitgliedsbeitrag unverändert bei CHF 25,- bzw. 5,- zu belassen (Ehrenmitglieder frei) wird ohne Gegenstimme angenommen.

Ehrenmitgliedschaften und Jubiläen

Keine Jubiläen. Michael Balkenohl wird zum Ehrenmitglied des EVB ernannt. Er hat sich nicht nur um den Verein verdient gemacht (Mitglied seit 2010, Kassier 2017-22), sondern hat auch eine beeindruckende wissenschaftliche Bilanz mit zahlreichen Veröffentlichungen über und Neubeschreibungen von Laufkäfern vorzuweisen.

Vereinsausflug 2022

Herr Baur schlägt den Jurasüdfuss bei Genf und das Vallon d’Allondon vor. Alternativen wären das Tessin (Val Canaria und Bedrettotal) und die Umgebung von Domodossola. Die Abstimmung geht zu Gunsten des Jurasüdfusses aus. Als Termin wird der 2./3. Juli festgelegt.

Statutenänderungen

In Zukunft soll eine Aufnahme neuer Mitglieder auch ohne Abstimmung an einer Sitzung möglich sein (Art. 2). Kleine Anpassungen an den Art. 12/13 modifizieren die Zusammenarbeit zwischen Kassier und Sekretär. Ein neuer Art. 17 regelt den Umgang mit personenbezogenen Daten nach den Vorgaben des Datenschutzgesetzes.

Die neuen Statuten werden ohne Gegenstimme bei einer Enthaltung angenommen.

Entomo Helvetica

Herr Roesti berichtet über die Planung des nächsten Heftes. Die etwas unübersichtlichen rechtlich-organisatorischen Strukturen und Finanzen der Zeitschrift werden diskutiert. Der EVB erhielt nie eine offizielle Anfrage, Einsitz in die Redaktion zu nehmen.

Projekte mit der ANF

Keine realisiert im 2021. Neue Vorschläge sind willkommen, das Antragsformular ist auf unserer Homepage verfügbar.

Varia

Verweis auf Vortrag von Andrea Grill (Entomologin und Schriftstellerin), auch literarisch interessierte Personen willkommen.

Waldameisen-Exkursion am 12. März.

Anwesende

19 Mitglieder, 0 Gäste, Total 29 Personen

Schluss der Sitzung

22:00 Uhr, der Sekretär, Martin Albrecht

Protokoll der Sitzung vom 15. 02. 2022

Entomologisches

Es gab bereits die ersten Tagfalterbeobachtungen infolge des milden Wetters  (Kleine Füchse, Admirale, Taubenschwänzchen).

Es wird auf die verschiedenen von Herrn Alagheband initiierten Veranstaltungen hingewiesen. Herr Balkenohl hat eine Arbeit über «seine» Scaritinae veröffentlicht.

Herr Gilgen präsentiert einen Youtube-Film mit Erkenntnissen über die Flugphysik eines winzigen Käfers mit federartigen Flügeln. Ausserdem stellt er eine Pressemitteilung über die Auswirkungen des Klimawandels auf das Nahrungsangebot von Vögeln vor.

Frau Wegenast spricht das geplante Verkehrsprojekt Ausbau Autobahnanschluss Wankdorf an. Diesem sollen zahlreiche Bäume zum Opfer fallen. Die Runde diskutiert mögliche Auswirkungen auf die Insekten.

Herr Bryner berichtet von der letzten Sitzung der Microlepidopteren-Gruppe, die erstmals seit 2019 wieder stattgefunden hat, allerdings in kleiner Runde.

Der Sekretär weist auf die Betriebsaufgabe des etablierten Zulieferbetriebes Entomologie Meier München hin, welche auf Ende 2021 erfolgte. Dies wird eine Lücke bei hochwertigen aus Holz gefertigten Produkten hinterlassen. Alternativen auf diesem Niveau gibt es nur wenige. Es wird Schunke aus Ostdeutschland erwähnt. Zwei Teilnehmer der Runde haben dort schon eingekauft und etwas unterschiedliche Erfahrungen mit Qualität und Lieferbarkeit gemacht.

Geschäftliches

Varia

Anwesende

19 Mitglieder, 1 Gast, Total 20 Personen

Schluss der Sitzung

21:20 Uhr, der Sekretär, Martin Albrecht

Protokoll der Sitzung vom 1. Februar 2022

Entomologisches

Online-Vortrag unseres Mitglieds Michael Balkenohl: «Kalahari und Okawango-Delta»

Einleitend wird die Lage des bereisten Gebiets der Kalahari und des Okawango-Deltas im südlichen Afrika vorgestellt. Es liegt im sehr dünn besiedelten Botsuana. Der Referent war in der entomologisch eher unergiebigen Trockenzeit unterwegs. Startpunkt war das Städtchen Maun. Dank der freundlichen Unterstützung eines einheimischen Rinderhirten gelangen ihm die ersten interessanten Käferfunde in Rinderkot. Zur Fortbewegung in der weitläufigen Landschaft eignet sich am besten das Flugzeug. Erstes Ziel waren die Kalahari Plains, eine Mischung aus Steppe und Wüste. Wegen der Höhenlage von 1000 m ist es nachts recht frisch.

Einige Wildtiere konnten die Reisenden bereits von der Veranda der Unterkunft aus bewundern. Die einheimischen Buschleute werden soweit möglich in den Tourismus eingebunden, indem sie Führungen anbieten. Mit ihrer detaillierten Kenntnis der Landschaft und der Tiere ermöglicht das interessante Exkursionen. Der Referent bekam u.a. Oryx-Antilopen, Hörnchen, Honigdachse, Füchse und Trappen zu Gesicht und zeigt Fotos und Videos von ihnen. Auch den grossen Laufkäfer Passalidus fortipes konnte er aufspüren.

Zweite Station war an einem Fluss, wo es ebenfalls viele behaarte und gefiederte Tiere zu sehen gab inklusive einer Löwenfamilie. Anschliessend ging es weiter ins Okawango-Delta. Dort wird die Landschaft dank des Wassers zunehmend grün. Die Fortbewegung erfolgt auf dem Wasser mit kleinen Aluminiumbooten. Die Landschaft ist unübersichtlich mit Wasserflächen, Papyrusbeständen und kleinen Wäldern. Es wimmelt von Tieren, von winzigen Fröschen bis zu Leoparden, Krokodilen, Flusspferden und Elefanten. Aber auch spezielle Käfer, darunter eine kreisförmige, im Sand «schwimmende» Art.

Anschliessend ging es weiter in einen Nationalpark. Dort waren zahlreiche Elefanten, aber auch Giraffen, Gazellen, Wildhunde, Strausse, Warzenschweine und Schakale zu beobachten, für welche eigene Wasserlöcher geschaffen wurden. Die eindrücklichen Baobab-Bäume werden durch ein spezielles Programm vor den Elefanten geschützt. An Insekten konnten auch wieder einige Käfer gefunden werden. Kurz vor dem Rückflug gelang ihm noch in Kasane eine reiche Beute an Käfern an einer beleuchteten Wand.

Abschliessend beantwortet der Referent die Fragen des interessierten Publikums.

Geschäftliches

Varia

Anwesende

22 Mitglieder, 3 Gäste, Total 25 Personen

Schluss der Sitzung

21:05 Uhr, der Sekretär, Martin Albrecht

Das Thema „Insekten essen“ ist gegessen

In der Presse war es nur noch eine Fussnote gegen Ende des letzten Jahres: Die Migros nimmt die Insektensnacks aus dem Sortiment. Somit verkauft von den Grossen nur noch Coop Produkte, die Insekten enthalten. Ist Insekten essen passé? Das Thema „Insekten essen“ ist gegessen weiterlesen

Protokoll der Sitzung vom 18. 01. 2022

Entomologisches

Der Präsident erwähnt, dass die Migros neuerdings die als Lebensmittel angebotenen Insekten aus dem Sortiment genommen hat. Coop hält noch daran fest, und die Herstellerfirma Bühler baut in Frankreich eine neue Produktionsanlage auf. Auf Nachfrage zeigt sich, dass auch unter den Mitgliedern das Interesse daran sehr begrenzt ist.

Herr Grütter berichtet über Beobachtungen zum Verhalten von Feuer- und Ritterwanzen sowie mögliche Auswirkungen der Klimaerwärmung auf diese in seinem Garten. Die wärmeliebende Art Melanocoryphus albomarginatus ist neu eingewandert, konnte im letzten Jahr dann jedoch nicht mehr beobachtet werden.

Vor kurzem ist der bekannte Ameisenspezialist Edward Wilson verstorben. Frau Lanner referiert kurz über seine wissenschaftlichen und philosophischen Leistungen.

Der Präsident hat im Wald erfolgreich überwinternde Laufkäfer gesucht. Her Balkenohl erwähnt einen deutlichen Rückgang der Laufkäfer an Flussufern. Herr Grütter weist auf die Auswirkungen der starken Hochwasser der letzten Jahre hin. Auch Frau Rohr erwähnt die Problematik am Beispiel des Selhofer Zopfen bei Bern.

Geschäftliches

Der Präsident begrüsst alle Mitglieder und wünscht alles Gute zum neuen Jahr. Er weist auf die Möglichkeiten hin, sich in die Vorstandsarbeit einzubringen und steuerbegünstigt an den Verein zu spenden.

Es wird noch einmal auf die Zusammenarbeit mit der ANF hingewiesen und die Möglichkeit, zu fördernde Projekte einzureichen. Erwünscht wären gerade Vorhaben zu bisher weniger berücksichtigten Gruppen und auch ausserhalb der Leistungsvereinbarung. Anmeldeschluss für 2022 ist Ende Februar, Eingaben über den Link auf unserer Homepage (folgt). Bei Fragen ist der Präsident Ansprechpartner.

Die Jahrestagung der SEG wird voraussichtlich auf Ende Mai verschoben, Abklärungen laufen noch.

Varia

Anwesende

23 Mitglieder, 1 Gast, Total 24 Personen

Schluss der Sitzung

21:25 Uhr, der Sekretär, Martin Albrecht

Protokoll der Sitzung vom 21. 12. 2021

Entomologisches

Online-Vortrag von Sophie Kratschmer, Unversität für Bodenkultur Wien: «Wildbienen und Honigbienen: Konkurrenz oder Koexistenz in Agrarökosystemen?»

Die Referentin, welche kurzfristig für den eigentlich geplanten Vortragenden eingesprungen ist, stellt zunächst kurz die Wildbienen generell vor: Zu den Hautflüglern gehörig und durch ihre «Wespentaillen» gekennzeichnete Insekten, welche dort eine von den Ameisen und Faltenwespen getrennte Gruppe bilden. Weltweit sind etwa 20.000 Arten bekannt, in Europa ungefähr 2.000. In Deutschland ca. 580, in der Schweiz 640 und in Österreich etwa 700. Eine davon ist die Honigbiene.

Nur die Weibchen können stechen. Die Grösse variiert von 5 mm bis 3 cm. Die meisten Arten sind solitär, einige eusozial. Etwa die Hälfte der Arten nistet im Boden, ein Viertel oberirdisch und der Rest sind Kuckucksbienen. Honigbienen haben keine solitäre Phase und bilden mehrjährige Völker. Sie sind sehr flexibel bei der Nahrungssuche.

Ein Beispiel illustriert den Entwicklungszyklus und den Unterschied zwischen poly- und oligolektischen (spezialisiert auf bestimmte Pflanzen) Arten. Für die Versorgung einer Brutzelle mit Pollen müssen bis zu 2.000 Blüten besucht werden. Auf die enorme (auch wirtschaftliche) Bedeutung der Bestäubungsarbeit wird eingegangen. Honigbienen sind wichtige Bestäuber grossflächiger Kulturen, die Bevorzugung nur einer Art hat jedoch riskante Folgen (Anfälligkeit gegen Parasiten u.a.). Lebensräume von Wildbienen müssen sowohl Nistplätze als auch Pollen- und Nektarquellen enthalten. Gefährdungsursache sind vor allem ausgeräumte Landschaften, Pestizide und Düngemitel, der Klimawandel.

Die Referentin erläutert das Konzept von Konkurrenz zwischen Arten. Die Hauptkonkurrenz findet hauptsächlich bei den Nahrungsquellen statt. Die Honigbiene hat hier diverse Vorteile gegenüber den anderen Bienenarten, einerseits durch ihre biologischen Eigenschaften, andererseits durch die Auswirkungen der Imkerei (lokales Massenauftreten). In ausgeräumten Landschaften kann dies durchaus zu Problemen für Wildbienen führen.

Man erforscht die Konkurrenz zwischen Wild- und Honigbienen seit den 1950er Jahren erforscht, allerdings weniger in der Agrarlandschaft. Es gibt Indizien für einen geringeren Reproduktionserfolg bei Wildbienen. Bei guten Wildbienenstandorten sollte es daher eine Pufferzone für Honigbienen geben.

Geplante weitere Untersuchungen in Österreich sollen detailliertere Einblicke in die Konkurrenzsituation und ihre Auswirkungen ermöglichen, wobei auf die Kooperation mit Imkern gesetzt wird.

In der anschliessenden Diskussion wurden einzelne Aspekte des Themas vertieft.

Geschäftliches

Varia

Anwesende

26 Mitglieder, 7 Gäste, Total 33 Personen

Schluss der Sitzung

22:20 Uhr, der Sekretär, Martin Albrecht

Protokoll der Sitzung vom 7. 12. 2021

Entomologisches

Der Sekretär zeigt einen Saisonrückblick mit Bildern aus dem Wallis, dem Jura und dem Tessin.

Herr Mosimann berichtet über den Fund eines interessanten Spinnenkokons auf seinem Grundstück.

Der Präsident erwähnt die Hymenopterologentagung am 29. Januar, welche voraussichtlich per Zoom stattfindet. Die Tagung in Beutelsbach war offiziell abgesagt, einige Unentwegte trafen sich jedoch inoffiziell.

Der Präsident stellt einige interessante Schnell-, Bock-, Lauf-, Juni-, Juli-, Pracht- und Rosenkäfer in Wort und Bild vor. Ausserdem berichtet er von einem ernsten Borreliosefall in seiner Familie . Er weist bei dieser Gelegenheit auf die Risiken dieser von Zecken übertragenen Krankheit hin.

Der Kassier berichtet von seinen erfolgreichen Besuchen in den Sammlungen der Museen von Paris und Brüssel, wo er sich als einer der coronabedingt sehr wenigen Besucher ungeteilter Aufmerksamkeit der Museumsangestellten erfreuen konnte.

Herr Baur weist auf die kleine Serie über Klimaprofiteure auf unserer Website hin.

Herr Cordillot berichtet über die erfolgreiche Suche nach wildlebenden Honigbienen in der Schweiz. Diese Völker leben in Bäumen, aber auch Gebäuden und sollen in der Zukunft detaillierter untersucht und kartiert werden. Bienenvölker sind wie Ameisen «Superorganismen», was eine sehr interessante Anpassung an wechselnde Lebensbedingungen ist. Der Imkerei ist die natürliche Biologie der Honigbiene offenbar weitgehend unbekannt. Es ist zu klären, ob diese Biene ein möglicherweise gefährdetes Wildtier ist. Wildlebende Bienenvölker bitte an Herrn Cordillot melden.

Geschäftliches

Unser Ehrenmitglied Werner Marggi hat sich nach 44jähriger Zugehörigkeit zum EVB entschieden, den Verein zu verlassen. Wir nehmen seinen Entscheid mit Bedauern zur Kenntnis.

Die Mitglieder haben den Insektenkalender 2022 mit Fotos von Rolf Pflugshaupt erhalten. Ein Exemplar darf man verschenken. Spenden sind willkommen.

Das Verfahren zur Steuerbefreiung für den EVB ist erfolgreich abgeschlossen. Es darf ab sofort steuerbefreit gespendet werden!

Herr Neumann informiert, dass er neu der Vertreter des EVB bei der SEG und Ansprechpartner bei uns für SEG-Themen ist. Wie sich herausgestellt hat, hat die Entomo Helvetica in den letzten Jahren einen Gewinn erwirtschaftet. Nach diversen Diskussionen im Rahmen der SEG hat sich herausgestellt, dass rechtliche Konstrukt „EH“ unbestimmt ist und über das weitere Vorgehen von den involvierten Organisationen (entomologische Vereine) entschieden werden soll. Es ist hier noch einiges zu klären, weitere Abstimmungen sind geplant.

Der Kassier informiert, dass die Einzahlungsquote des Mitgliedsbeitrags seit ein paar Wochen bei phänomenalen 100% liegt.

Varia

Anwesende

23 Mitglieder, 0 Gäste, Total 23 Personen

Schluss der Sitzung

22:00 Uhr, der Sekretär, Martin Albrecht