2025 hat die Situation rund um den invasiven Japankäfer eine neue Dimension erreicht. Erstmals hat der Käfer in der Schweiz massive Schäden angerichtet, und zwar an Weinreben im Kanton Tessin. Zudem hat der Japankäfer etwas getan, was das Bundesamt für Landwirtschaft nicht für möglich hielt: Den Sprung über die Alpen auf die Alpennordseite geschafft und sich auch dort etabliert. Was dies für den Umgang und die Bekämpfung des Käfers heisst, der im Jahr mehrere 100 Millionen Franken an Schäden anrichten kann, ist offen.
Zehn Millionen Japankäfer gingen 2025 im Tessin in die Falle, ein neuer Rekord. Und es ist nicht der einzige, den Popillia japonica dieses Jahr in der Schweiz gebrochen hat: Neu sind 13 Kantone betroffen und fanden den Käfer seit dem ersten Auftauchen 2019 bei sich. Neu tauchte er auch in den Kantonen Bern (Stadt Bern und Spiez) sowie Graubünden (untere Mesolcina, Grenzgebiet zum Tessin) auf. Gemäss Recherche der SRF-Sendung 10vor10 bestätigte der Graubündner Pflanzenschutzdienst, dass 2025 knapp 93 Käfer gefunden wurden. Um eine Ausbreitung des Käfers zu verhindern, werden die Behörden 2026 deutlich mehr Fallen aufstellen.

Bekämpfung des Japankäfers
Mit Fallen alleine wird die Ausbreitung des Käfers nicht gestoppt werden können. Laut Peter Kupferschmied vom Bundesamt für Landwirtschaft BLW müssen mehrere Bekämpfungsmethoden angewendet werden: So werden die Larven im Boden mit Fadenwürmer (Nematoden) bekämpft. Bei besonders starkem Befall und einer vorliegenden Genehmigung dürfen die Käfer auch mit Insektizid bekämpft werden. Aktuell wird auch versucht, Spürhunde auf den Japankäfer abzurichten, wie Schweiz aktuell im November 2025 zeigt. Forscherinnen und Forscher beschäftigen sich auch mit dem möglichen Einsatz einer Fliege, welche den Japankäfer parasitiert, wie die SRF-Sendung Einstein 2023 aufzeigte. Fest steht: Den Käfer wird die Schweiz nicht mehr los, das bestätigt auch das BLW.
2024 gingen die Behörden noch davon aus, dass der Japankäfer sich nur auf der Alpensüdseite etablieren kann und die Alpen als eine Art Schutzwall den Käfer zurückhalten. Denn zuvor gab es die meisten Käferfunde im Tessin. Er hatte in Italien zuvor bereits teils grosse Populationen gebildet und massive Schäden angerichtet. Doch mittlerweile zeigt sich, dass der Käfer quasi per Anhalter auf die Alpennordseite gekommen ist: Sei es via Privatfahrzeuge oder via Zug. Denn gerade entlang von Verkehrsachsen tauchen immer wieder Funde oder gar Populationen auf. Die bisherige Strategie, jeden Käferbefall auf der Alpennordseite zu tilgen und Populationen gar nicht erst aufkommen zu lassen, ist damit gescheitert.
Der Japankäfer verursacht grosse Schäden
Bund, Kantone und Verbände wie der Schweizerische Obstverband überlegen sich nun vor der nächsten Flugsaison des Käfers im Frühling/Frühsommer, wie sie mit der neuen Situation umgehen wollen. Denn der Käfer ist aus mehreren Gründen gefährlich: Als invasiver Käfer hat er in der Schweiz noch keine Fressfeinde. Er kann sich also ungehindert ausbreiten mit unbekannten Folgen für die Biodiversität. Als Quarantäneorganismus kann er gemäss Schätzungen jährlich in der Schweiz Schäden von mehreren 100 Millionen Franken anrichten. Da auf seinem Speiseplan rund 400 Pflanzenarten stehen, darunter auch Apfelbäume oder Aprikosenbäume.

Der Obstverband und die Winzer ist beunruhigt. Denn im Tessin hat der Käfer bei manchen Winzerinnen und Winzern die Hälfte der Ernte zerstört. Zudem schwächte der Befall die Weinreben stark. Wie gross das Ausmass des Schadens in Franken beträgt, weiss der Kanton Tessin noch nicht. Sicher ist: Solche Schäden gab’s noch nie. Und es könnte noch schlimmer kommen. Die vergangenen Sommer waren eher feucht, das mag der Japankäfer – ebenso wie warme Winter. Das sind ideale Bedingungen für die Käfer. Die Tessiner Pflanzenschutzbeauftragte geht davon aus, dass es 2026 noch mehr Käfer im Tessin geben könnte. Dabei fing alles harmlos an, mit einzelnen Käferfunden 2019 im Tessin und der Haltung, man dürfe nun nicht in Alarmismus verfallen, wie es gegenüber Swissinfo am 30. Oktober 2019 hiess. Damals erklärte die Pflanzenschutzbeauftragte, man werde genau beobachten, wie die Larven mit der Kälte umgehen. Wie sich zeigt, hat der Japankäfer das sehr gut hinbekommen.
Autor: Bähram Alagheband, Fachredaktor Insekten, SRF
Wie kann man den invasiven Japankäfer von anderen heimischen Käfern (z.B. Gartenlaubkäfer) unterscheiden? https://www.blw.admin.ch/de/japankaefer-schadorganismus
Den ausführlichen Text zum Thema und der Recherche der SRF-Sendung 10vor10 gibt es hier:
https://www.srf.ch/news/schweiz/schaeden-durch-invasiven-kaefer-der-japankaefer-frisst-sich-durch-die-schweizer-weinreben
Der Japankäfer war zuletzt auch im Radio bei SRF 1 am 18. November Thema:
https://www.srf.ch/audio/morgengast/baehram-alagheband-fachredaktor-insekten-bei-srf?id=AUDI20251118_RS_0022
Beitragsbild: Der Japankäfer (Popillia japonica) stellte im 2025 Rekorde auf: Er hat den Sprung auf die Alpennordseite geschafft, sich dort etabliert und ist auch im Kanton Bern angekommen. CC BY-SA 4.0 Bähram Alagheband, Solothurn, Schweiz.
