Das Geheimnis der Grünen Inseln beruht auf Bakterien und Pilzen, die Cytokinine produzieren und so das Altern der Laubblätter verzögern. Häufige Ursache der Grünen Inseln ist die Anwesenheit von Insektenlarven, die in den Blättern minieren.

Wie entstehen die Grünen Inseln?
Mit abnehmender Tageslänge verlagern Bäume wichtige Elemente, darunter auch das Blattgrün (Chlorophyll), in den Stamm- und Wurzelbereich. Dadurch verlieren die Blätter ihre grüne Farbe und werden bunt, bevor sie abfallen. Dabei kann man beobachten, dass bei manchen Blättern die grüne Farbe inselartig erhalten bleibt, wo das Chlorophyll offenbar nicht abgebaut wird. Das «Geheimnis der Grünen Inseln» (in der Wissenschaft als «Green Islands» bezeichnet) wurde mehrfach untersucht. Dabei entdeckte man, dass es Bakterien und Pilze sind, die Cytokinine (Pflanzenhormone) produzieren, welche die Alterung des Blattes verhindern oder verzögern.

Insektenlarven und Grüne Inseln
Häufige Ursache der Grünen Inseln ist die Anwesenheit von Insektenlarven, welche in den Blättern minieren, beispielsweise Gallwespen (Cynipidae), Gallmücken (Cecidomyiidae), Minierfliegen (Agromyzidae) oder die Raupen von Kleinschmetterlingen. Manche dieser Larven gehen mit dem Bakterium Wolbachia eine Symbiose ein. Dieses Bakterium bildet Cytokinin, wodurch die Umgebung der Minen der Insektenlarven grün bleibt, die Alterung des Blattes verzögert und die Photosynthese verlängert werden. Dadurch können die Larven länger von energiereicher Nahrung profitieren.

Welche Insektenlarven können beobachtet werden?
Besonders bei den Zwergminiermotten (Nepticulidae) ist der Aufenthalt der Raupen in den Blattminen zeitlich nur sehr kurz. Im Gegenlicht ist die Formenvielfalt der Minen besonders gut zu sehen. Mit etwas Glück findet man auch eine noch mit der Raupe bewohnte Mine.



Die Entwicklung der Zitterpappel-Zwergminiermotte
Die Grünen Inseln der Zitterpappel-Zwergminiermotte (Ectoedemia argyropeza, Nepticulidae) sind im Falllaub unter Zitterpappeln manchmal in grosser Zahl zu finden. Im Sommer legt das Weibchen die Eier einzeln an den Blattstiel. Das Räupchen bohrt sich in den Blattstiel ein und frisst sich einen Gang bis zur Blattbasis. Dort entsteht eine Mine, welche die Raupe erst im Herbst zur Verpuppung verlässt.






Dieser Beitrag entstand im Anschluss an zwei Diskussionsabende im EVB vom 21. Oktober und 4. November 2025. Für die Erläuterungen zum «Geheimnis der Grünen Inseln» sei Gaston Adamek (EVB) und Urs Bütler (Lepiforum) bestens gedankt. Rudolf Byner, 9.11.2025.
Beitragsbild: Grüne Inseln – Wettlauf mit dem Blattzerfall: Das Cytokinin verzögert den Abbau des Chlorophylls, wodurch die Raupe noch Nahrung findet, wenn das Blatt schon längst verwelkt ist. CC BY-SA 4.0 Rudolf Bryner, Biel, Schweiz.

Fantastischer Beitrag!