Das Geheimnis der grünen Inseln, Blattmine der Zitterpappel-Zwergminiermotte. CC BY-SA 4.0 Rudolf Bryner, Biel,Schweiz

Das Geheimnis der Grünen Inseln

Das Geheimnis der Grünen Inseln beruht auf Bakterien und Pilzen, die Cytokinine produzieren und so das Altern der Laubblätter verzögern. Häufige Ursache der Grünen Inseln ist die Anwesenheit von Insektenlarven, die in den Blättern minieren.

Herbstlaub acer pseudoplatanus, Ligerz, 2025. CC BY-SA 4.0 Rudolf Bryner, Biel, Schweiz
Herbstliches Falllaub. CC BY-SA 4.0 Rudolf Bryner, Biel, Schweiz.

Wie entstehen die Grünen Inseln?

Mit abnehmender Tageslänge verlagern Bäume wichtige Elemente, darunter auch das Blattgrün (Chlorophyll), in den Stamm- und Wurzelbereich. Dadurch verlieren die Blätter ihre grüne Farbe und werden bunt, bevor sie abfallen. Dabei kann man beobachten, dass bei manchen Blättern die grüne Farbe inselartig erhalten bleibt, wo das Chlorophyll offenbar nicht abgebaut wird. Das «Geheimnis der Grünen Inseln» (in der Wissenschaft als «Green Islands» bezeichnet) wurde mehrfach untersucht. Dabei entdeckte man, dass es Bakterien und Pilze sind, die Cytokinine (Pflanzenhormone) produzieren, welche die Alterung des Blattes verhindern oder verzögern.

Grüne Inseln auf einem Blatt des Bergahorns, acer pseudoplatanus, Neuveville, 2025. CC BY-SA-4.0 Rudolf Bryner, Biel, Schweiz
Herbstlich verfärbtes Blatt von Bergahorn mit Grünen Inseln, vermutlich durch Pilze verursacht. CC BY-SA-4.0 Rudolf Bryner, Biel, Schweiz.

Insektenlarven und Grüne Inseln

Häufige Ursache der Grünen Inseln ist die Anwesenheit von Insektenlarven, welche in den Blättern minieren, beispielsweise Gallwespen (Cynipidae), Gallmücken (Cecidomyiidae), Minierfliegen (Agromyzidae) oder die Raupen von Kleinschmetterlingen. Manche dieser Larven gehen mit dem Bakterium Wolbachia eine Symbiose ein. Dieses Bakterium bildet Cytokinin, wodurch die Umgebung der Minen der Insektenlarven grün bleibt, die Alterung des Blattes verzögert und die Photosynthese verlängert werden. Dadurch können die Larven länger von energiereicher Nahrung profitieren.

Grüne Inseln auf Blättern von Kirschbaum prunus und Salweide cerasus, Ligerz, 2025. CC BY-SA 4.0 Rudolf Bryner, Biel, Schweiz
Die Verursacher dieser Grünen Inseln sind die Raupen von Kleinschmetterlingen: oben Blatt des Kirschbaums mit zwei Faltenminen einer Blasenminiermotte (Phyllonorycter spinicollella), unten Blatt der Salweide mit der Gangmine einer Zwergminiermotte (Stigmella salicis s.l.). CC BY-SA 4.0 Rudolf Bryner, Biel, Schweiz.

Welche Insektenlarven können beobachtet werden?

Besonders bei den Zwergminiermotten (Nepticulidae) ist der Aufenthalt der Raupen in den Blattminen zeitlich nur sehr kurz. Im Gegenlicht ist die Formenvielfalt der Minen besonders gut zu sehen. Mit etwas Glück findet man auch eine noch mit der Raupe bewohnte Mine.

Zwergminiermotte Ectoedemia occultella im Blatt einer Birke, cudrefin, 2009. CC BY-SA 4.0 Rudolf-Bryner, Biel, Schweiz
Grüne Insel im Blatt einer Birke verursacht von der Zwergminiermotte Ectoedemia occultella (Nepticulidae). CC BY-SA 4.0 Rudolf-Bryner, Biel, Schweiz.
Gangminen in einem Blatt der Rotbuche fagus, Neuveville, 2025. CC BY-SA 4.0 Rudolf Bryner, Biel, Schweiz
Grüne Insel und bereits verlassene Gangmine von Stigmella tityrella (Nepticulidae) im Blatt einer Rotbuche. Im Blattumschlag oben links der Gangmine überwintert eine andere Kleinschmetterlingsart: Parornix fagivora (Gracillariidae). CC BY-SA 4.0 Rudolf Bryner, Biel, Schweiz.
Eichen-Zwergminiermotte im Blatt einer Eiche quercus, Neuveville, 2025. CC BY-SA 4.0 Rudolf Bryner, Biel, Schweiz
Grüne Insel und Mine mit Raupe einer der mehreren möglichen Eichen-Zwergminiermotten (Nepticulidae). CC BY-SA 4.0 Rudolf Bryner, Biel, Schweiz.

Die Entwicklung der Zitterpappel-Zwergminiermotte

Die Grünen Inseln der Zitterpappel-Zwergminiermotte (Ectoedemia argyropeza, Nepticulidae) sind im Falllaub unter Zitterpappeln manchmal in grosser Zahl zu finden. Im Sommer legt das Weibchen die Eier einzeln an den Blattstiel. Das Räupchen bohrt sich in den Blattstiel ein und frisst sich einen Gang bis zur Blattbasis. Dort entsteht eine Mine, welche die Raupe erst im Herbst zur Verpuppung verlässt.

Grüne Inseln in Falllaub der Zitterpappel pupulus tremula, cudrefin, 2008. CC BY-SA 4.0 Rudolf Bryner, Biel, Schweiz
Grüne Inseln im Falllaub von Zitterpappel (Populus tremula). CC BY-SA 4.0 Rudolf Bryner, Biel, Schweiz.
Blattmine von Ectoedemia argyropeza, Cudrefin, 2008. CC BY-SA 4.0 Rudolf Bryner, Biel, Schweiz
Grüne Insel und Blattmine mit Raupe von Ectoedemia argyropeza (Nepticulidae). CC BY-SA 4.0 Rudolf Bryner, Biel, Schweiz.
Raupe von Ectoedemia argyropeza, Cudrefin, 2008. CC BY-SA 4.0 Rudolf Bryner, Biel, Schweiz
Die erwachsene Raupe verlässt ihre Blattmine, … CC BY-SA 4.0 Rudolf Bryner, Biel, Schweiz.
Puppenkokon von Ectoedemia argyropeza, Cudrefin, 2008. CC BY-SA 4.0 Rudolf Bryner, Biel, Schweiz
… spinnt sich unter dem Falllaub einen Puppenkokon, … CC BY-SA 4.0 Rudolf Bryner, Biel, Schweiz.
Puppe von Ectoedemia argyropeza, Cudrefin, 2008. CC BY-SA 4.0 Rudolf Bryner, Biel, Schweiz
… und verpuppt sich darin. CC BY-SA 4.0 Rudolf Bryner, Biel, Schweiz.
Falter von Ectoedemia argyropeza, Cudrefin, 2008. CC BY-SA 4.0 Rudolf Bryner, Biel, Schweiz
Nach der Überwinterung schlüpft der 5-6 mm grosse Falter. CC BY-SA 4.0 Rudolf Bryner, Biel, Schweiz.

Dieser Beitrag entstand im Anschluss an zwei Diskussionsabende im EVB vom 21. Oktober und 4. November 2025. Für die Erläuterungen zum «Geheimnis der Grünen Inseln» sei Gaston Adamek (EVB) und Urs Bütler (Lepiforum) bestens gedankt. Rudolf Byner, 9.11.2025.


Beitragsbild: Grüne Inseln – Wettlauf mit dem Blattzerfall: Das Cytokinin verzögert den Abbau des Chlorophylls, wodurch die Raupe noch Nahrung findet, wenn das Blatt schon längst verwelkt ist. CC BY-SA 4.0 Rudolf Bryner, Biel, Schweiz.

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