Als ich meine LepiLED Lampe zum ersten Mal ausprobierte, vergingen keine fünf Minuten, als ein Securitas-Mitarbeiter mit seinem Schäferhund neben mir stand. Aber nicht jeder, der mit einer Taschenlampe in der Nacht herumspaziert, ist ein Spinner, Spanner oder sonstiger Unhold. Manchmal sind es auch einfach Insektenfans beim «Lämpelen» mit Stirnlampe und Leuchtzelt.
Spanner in verschiedenen Farbvarianten



Zum Beispiel Angerona prunaria, Schlehen- oder eben Pflaumenspanner. Ein recht grosser und wunderschön gezeichneter Nachtfalter, den es in fünf Farbvarianten zu bestaunen gibt. Leider habe ich bisher nur deren zwei beobachten können. Die Männchen präsentieren sich in der Regel in einem intensiven Orange und sind häufig etwas kleiner als die Weibchen, die auch etwas blasser gefärbt sind. Während mehreren nächtlichen Ausflügen in den Wald habe ich nur einmal ein Weibchen gesehen. Das einzige Exemplar, das ich tagsüber entdeckt habe, war ebenfalls ein Weibchen, welches sich im Gebüsch versteckt hatte.
Weitere Farbvariationen des Schlehen-Spanners


Die Raupen sind polyphag und genehmigen sich allerlei Laubhölzer. Doch als Mordraupen sind sie keine strikten Vegetarier, auch etwas eher Ungewöhnliches für Falterraupen. Ihr Aussehen ist ebenfalls variabel und sie sind während ihres frühen Raupenstadiums wegen ihrer Tarnung als kleines Ästchen schwer zu finden. Auch als Falter sind sie tagsüber häufig unter Blättern oder im Dickicht versteckt und trotz ihrer teils auffallenden Farben und Muster schwierig zu entdecken. Nomen est omen: Wer einmal die Gattung Prunus näher betrachtet, wird staunen, was da so alles dazugehört, von Aprikosen, über Pflaumen, Kirschen bis Mandeln.
Kleine Spanner – grosse Herausforderung
Generell können Nachtfalter bezüglich Farben und Musterung sehr variabel sein. Vor allem bei den Spannern tummeln sich einige Falter, denen man den identischen Namen gar nicht ansieht. Wer sich jedoch einmal mit den Gattungen Idaea und Scopula beschäftigt hat, kann wahrscheinlich ganze Opern davon singen, vor allem, wenn es sich um ältere Exemplare handelt. Falter, nicht Tenor.


Bindenspanner in jeder Schattierung
Auch die anderen Unterfamilien Larentiinae und Ennominae haben ein paar Bestimmungsüberraschungen dabei. Man denke da nur mal an eine unserer beiden heimischen Dystroma-Arten.



Rindenspanner und Co.
Der Wellenlinien-Rindenspanner, Alcis repandata, ein häufiger Besucher am Tuch, zeigt neben vielen kleinen Markierungen, grösseren Flecken oder Schlaufen und Bögen entweder kein oder ein sehr dickes, dunkelbraunes oder schwarzes Querband, ohne eigentliche Übergangsformen. Wellen hat’s bei denen allerdings genug. Manchmal so viele, dass es einem wie auf hoher See vorkommt. Dann die Namen. Häufig sind die deutschen Bezeichnungen selbsterklärend. Wenn man weiss, wie er heisst und den Falter dann anschaut, ist es stimmig, umgekehrt hingegen nicht wirklich. Hätten Sie’s gerne grün-flechtig oder grün-moosig oder doch mehr prachtgrün? Hätten Sie die Binden lieber glatt oder dunkel? Wie wär’s mit einem zwei- oder dreistreifigen Mond?









Landkärtchen in saisonalem «Kleid»
Bei vielen Schmetterlingen kennen wir saisonale Formen, z. B. unterschiedliche Merkmale in der Trocken- bzw. Regenzeit oder Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Das hat dann durchaus einen Grund: Die Männchen sind häufig farbiger und sogar mit Warnfarben versehen, die Weibchen eher unauffällig gefärbt und sind im Freien je nach Familie und Art auch schwierig und seltener zu sehen. Bei der Suche nach Mineralien exponieren sich die Männchen auch mehr. Ein allfälliger Räuber würde also mit grösserer Wahrscheinlichkeit eher ein Männchen erwischen, falls er sich nicht durch die Farbe abschrecken lässt.
Unser Landkärtchen ist ebenfalls ein schönes Beispiel für verschiedene Erscheinungsbilder im Verlauf des Jahres.


Bei südafrikanischen Augenfaltern sind in der Trockenzeit mit weniger Vegetation die Augen auf der Unterseite und andere Merkmale oftmals weniger ausgeprägt, die Farben etwas blasser und damit sind diese Falter weniger auffällig und besser an die Umgebung angepasst. Wozu also diese verschiedenen Formen der gleichen Art bei unseren Spannern? Ich habe alle möglichen Quellen und Referenzen nach einer Erklärung durchsucht. Auch die Schwarmintelligenz des Lepiforums hat nichts zu Tage gebracht. Allerdings kein Grund, sich nicht ob der Schönheit dieser Falter zu erfreuen.
Faltervielfalt in Langnau
Ich war auch erstaunt, dass sich in Langnau so viele verschiedene Falter tummeln. Manchmal merkt man auch erst am Bildschirm, dass es nicht immer der gleiche Falter war. Und wer Freude am Bestimmen hat, kommt bei Spannern so oder so auf seine Rechnung, Frust hin oder her.
Alle Aufnahmen (mit Ausnahme des Landkärtchens vom Lungernsee) entstanden in Langnau im Emmental, entweder im Schützengrabenwald, im Löffelgraben oder ums Haus. Der Lichtfang erfolgte mittels einer LepiLED-Lampe. Es wurden keine Falter eingefangen. Wer schon mal mit Spannern zu tun hatte, weiss, dass die ziemlich störrisch sein können, wenn man sie auf ein Blatt drapieren will. Falter auf einem Tuch sind halt nicht immer so schick. Irgendwann nach Mitternacht wurde das Licht gelöscht, das Tuch eingerollt, mein Kissen geklopft und die Falter konnten sich wieder mit sich selber beschäftigen.
Dominik Hofer, Langnau im Emmental
Beitragsbild: Schlehen-Spanner (Angerona prunaria), Männchen in ausgesprochen dunklem Orange, 5.6.22, 01:39 h. CC BY SA-4.0 Dominik Hofer, Langnau, Schweiz.

Ein wunderbarer Bericht mit tollen Fotos! Vielen Dank und Gratulation!
Vielen Dank, Hans-Peter!